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Problematische Green IT: Öko-Tastaturen sind schwer zu verkaufen

29.08.2007 | 17:22 Uhr |

Derzeit bewerben viele PC-Hersteller Geräte als besonders umweltfreundlich, Green IT heißt das Stichwort. Doch dabei stellt sich die Frage: Legen die Kunden überhaupt Wert auf umweltfreundliche Produkte? Sind sie bereit dafür mehr zu bezahlen? Zweifel daran erscheinen angebracht, wie nicht nur das Beispiel Cherry zeigt.

Cherry fertigt bekanntlich Eingabegeräte für PCs . Bereits 1998 stellte das unter anderem im oberpfälzischen Auerbach produzierende Unternehmen eine Tatstaturfamilie vor, die besonders umweltfreundlich gefertigt wurde. Und erlitt damit prompt Schiffbruch, die "Green Line" getaufte Tastaturenserie wurde vom Markt nur schlecht angenommen. Das Paradoxe daran: Die Mehrkosten, die durch das mehr an Umweltschutz entstanden, betrugen gerade einmal drei Deutsche Mark, wie Cherry betont. Doch selbst dieser geringe Betrag konnte nicht auf die Verbraucher umgelegt werden, weil sie nicht bereit waren, für die Green-Line-Modelle mehr zu bezahlen.

Die "Green Line" war frei von PVC und gefährlichen Flammschutzmitteln. Sie sollte sich außerdem problemlos recyceln lassen, Cherry nahm die Tastatur am Ende ihrer Nutzungsdauer sogar kostenlos zurück. Bei soviel Ökologie wollte auch die Politik nicht abseits stehen, bei der Vorstellung auf der CeBIT 1998 war die damalige Bundesumweltministerin Angela Merkel mit dabei.

Die Green Line blieb nicht das einzige Öko-Modell von Cherry, einige Jahre später stellten die Auerbacher nämlich die Cymotion Master Solar vor (siehe Foto zu dieser Meldung). Der Clou bei dieser kabellosen Funktastatur: Für die Aufladung der Akkus sorgte eine Solarzelle (die mitgelieferte Funkmaus, deren Form zumindest gewöhnungsbedürftig war, musste übrigens klassisch über die Steckdose aufgeladen werden). Die Cymotion Master Solar gab es in verschiedenen Designs, unter anderem auch im Raubkatzenkostüm Wild Thing .

Die Cymotion Master Solar war ein echter Hingucker, in der Redaktion der PC-WELT war zeitweise ein schwarz-silbernes Modell im Einsatz, deren Solarzelle von jedem Besucher bestaunt wurde. Doch der wirtschaftliche Erfolg konnte mit dem Aha-Effekt nicht mithalten: Cherry musste die Produktion der Cymotion Master Solar aufgrund der mangelnden Nachfrage im Jahr 2006 einstellen.

Cherry will aber nicht aufgeben, wie Katrin Fritsch, zuständig für die Pressearbeit von Cherry, gegenüber der PC-WELT erklärte: "Wir glauben allerdings weiterhin an die Solartechnologie und geben die Hoffnung nicht auf, dass die Verbraucher, vielleicht auch aufgerüttelt durch die derzeitige Klimadiskussion, dafür bereit sind für umweltbewusste Produkte den entsprechenden Preis zu zahlen." Und: "Speziell im Bezug auf die Solartechnologie hoffen wir zudem mit verstärkter Kommunikation Aufklärungsarbeit leisten zu können. Umfragen haben nämlich ergeben, dass viele Endkunden Angst davor hatten, dass die Tastatur ständig an künstliche Lichtquellen gehalten werden muss (Anm. d. Red.: diese Befürchtung ist in der Tat unbegründet, wie die PC-WELT aus eigener, langjähriger Erfahrung weiß). Kurz: wir wollen diese Technologie in neuen Produkten wieder einsetzen."

In der Tat sind PC-Besitzer nicht so ohne weiteres bereit, für umweltgerechte Produkte mehr zu bezahlen. Das beweist unsere aktuelle Umfrage zu diesem Thema. Zumindest die Leser der PC-WELT stehen Werbeaussagen wie "besonders umweltfreundlich" kritisch gegenüber und hinterfragen sie zu Recht. Schließlich müssen die produzierenden Unternehmen erst einmal beweisen, dass die Mehrkosten tatsächlich berechtigt sind und nicht nur ein vorgebliches Feigenblatt für eine Preiserhöhung sind um die Gewinnmargen zu steigern.

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