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Pranger im Internet

08.01.2001 | 16:15 Uhr |

Mit säumigen Kunden versteht die Dortmunder Handelsagentur Pähler keinen Spaß. Seit September werden die Namen der Schuldner samt Wohnort, Rechnungsnummer und dem ausstehenden Rechnungsbetrag auf einer Website bekannt gemacht.

Mit säumigen Kunden versteht die Dortmunder Handelsagentur Pähler keinen Spaß. Seit September werden die Namen der Schuldner samt Wohnort, Rechnungsnummer und dem ausstehenden Rechnungsbetrag auf einer Website bekannt gemacht.

Namentlich aufgeführt würden nur solche Kunden, die "ihre Rechnungen trotz mehrfacher Mahnung nicht bezahlt haben". Pähler verspricht, dass der Eintrag nach Zahlungseingang zuzüglich Mahn- und Inkassogebühren gelöscht werde und bedankt sich dafür schon im Voraus.

Mit dieser Methode, die an einen mittelalterlichen Pranger erinnert, will die Firma, die sich auf den Versand von Windows-Color spezialisiert hat, die Zahlungsmoral ihrer Kunden steigern. Dabei sollen nicht nur säumige Kunden zum Begleichen ihrer Rechnung angehalten werden, sondern potenzielle Nichtzahler von vornherein abgeschreckt werden. Und die Methode zeigt Erfolg, wie man auf telefonische Nachfrage der PC-WELT versicherte. Denn die Zahlungsbereitschaft sei deutlich gestiegen.

Vor juristischem Gegenwind fürchtet man sich bei Pähler keineswegs. Auch die Tatsache, dass die Datenschutzbeauftragte von Nordrhein-Westfalen diese Vorgehensweise kritisiert, kann das Dortmunder Unternehmen nicht sonderlich beeindrucken. Denn bei der Bekanntgabe der Namen würde es sich nur um ein "Nach-außen-stellen der Buchhaltung" handeln, wie man sich der PC-WELT gegenüber ausdrückte.

Als Grund für diese ebenso unorthodoxe wie effektive Maßnahme werde die allgemein schlechte Zahlungsmoral der Kunden angeführt. "Sie würden einfach nicht zahlen." Aber Pähler lässt nicht mit sich spaßen, sondern droht martialisch: "Wir verfolgen jeden noch so kleinen Schuldner."

Einziger Ausweg für die Betroffenen, so der letzte Satz auf der Pranger-Website: "Wem (sic!) dieser Eintrag stört, braucht nur seine Rechnung zu bezahlen, schon ist er weg." Hoffentlich ist diese Firma bei der Entfernung der Einträge sorgfältiger als bei der Benutzung des Dativs.

So einfach geht das also. Was aber ist mit Kunden, die berechtigte Gründe für eine Zahlungsverweigerung haben? Etwa weil die gelieferte Ware nicht deren Vorstellungen entsprach oder fehlerhaft war? Wenn sich diese beharrlich weigern, werden sie mit den wirklich schwarzen Schafen über einen Kamm geschoren.

Bei Redaktionsschluss waren immerhin 30 Kunden mit Gesamtschulden von über 3000 Mark auf der Website genannt. Deren Namen dürften damit im Netz zu Genüge bekannt sein, denn der Webcounter zeigte am 5. Januar 9690 Besucher. Und nachdem diese Internetseite auch im Stern und bei RTL vorgestellt wird, dürfte deren Bekanntheitsgrad noch steigen.

Die NRW-Datenschutzbeauftragte Bettina Sokol ist von dieser Vorgehensweise wenig angetan und erwägt, das Gewerbeaufsichtsamt einzuschalten. (PC-WELT, 08.01.2001, hc)

Der Pranger im Internet

Grüne wollen Datenschutz für Neue Medien (PC-WELT Online, 04.01.2001)

Mangelndes Datenschutzbewusstsein bei Unternehmen (PC-WELT Online, 12.10.2000)

Kundendaten lagen offen (PC-WELT Online, 07.09.2000)

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