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IBMs Server-Familien wachsen zusammen

05.06.2008 | 10:01 Uhr |

Die Server-Modellreihen System i und System p werden zusammengefasst und künftig als Power Systems geführt. Was wie ein kleiner kosmetischer Eingriff klingt, gestattet dem Anwender allerdings mehr Flexibilität mit seiner Infrastruktur.

Die Gemeinsamkeit der Modellreihen i und p, die Verwendung des IBM-eigenen Power-Prozessors, bleibt auch der Power-Systems-Linie erhalten. Aller Modelle werden mit dem neuen Power-6-Prozessor ausgestattet. Die Server-Familie System x verwendet CPUs von Intel und AMD. Bei der Zusammenführung geht es allerdings nicht nur um die CPU-Plattform, meint Illuminata-Analyst Gordon Haff. In der Veränderung spiegelt sich auch die Neuorganisation von IBMs Server and Technology Group (STG).

Big Blue orientiert seit Anfang des Jahres nach der Struktur seiner Kundschaft und hat die Segmente Enterprise (große, global agierende Unternehmen), Business Systems (mittlere und kleine Unternehmen), Industry Systems (Unternehmen der Branchen Handel, Telekommunikation und Gesundheitswesen) definiert. Daraus, so der Analyst, ergeben sich Änderungen auch im Geschäftsmodell der STG, die so fundamental sind wie keine andere Neuausrichtung seit dem Jahr 2000. Seinerzeit hat das Unternehmen seine unterschiedlichen Server-Linien unter das Dach einer einzigen Organisation inklusive Forschungs- und Entwicklungsstruktur versammelt. Der neue Markenname hieß "eServer". Big Blue vertritt hier allerdings die Ansicht, dass Haffs Interpretation "etwas überbewertet" sei.

Laut Haff hat sich wohl die größte Veränderung durch die Zusammenlegung der Linien System i (ehemals AS/400) und System p, also der Linux/AIX-Maschinen, ergeben. Dabei kommt die Verschmelzung nicht plötzlich. Vielmehr hat Big Blue die Grenzen zwischen diesen Systemfamilien schon seit langem Stück für Stück aufgeweicht. Beide nutzen die Power-Architektur bereits seit Jahren. Nunmehr aber finden sich beide Linien unter dem einen Dach der Power-Systems-Familie. Diese weist - und das ist anders als früher - gleiche Preise auf: Sie nutzt identische Peripheriekomponenten, die gleich viel kosten, wie es schon seit rund zwei Jahren zumindest für die Straßenpreise gilt. Früher wurden die Komponentenpreise für die System-i-Rechner aus produktpolitischem Kalkül über denen der System-p-Linie gehalten.

IBM hat auch die Nomenklatur seiner Systeme klarer geregelt. Deutete beispielsweise die "5" der im Jahr 2001 vorgestellten "AIX 5L" auf die Version des Unix-Betriebssystems der IBM und auf die Affinität zu Linux hin, so verstanden viele dies eher als Hinweis auf die Power-5-Architektur. Ziffern und Buchstaben hat Big Blue deshalb jetzt aus der AIX-Bezeichnung entfernt. Ähnlich das System-i-Betriebssystem, das in seiner Geschichte nun schon mehrere Namenwechsel erlebte. Ursprünglich als "OS/400" aus der Taufe gehoben, wechselte es seinen Namen auf "i5/OS". Hier bedeutete die 5 im Gegensatz zum AIX-5L-Betriebssystem tatsächlich die Referenz auf die Power-5-Plattform, auf der die ehemaligen AS/400-Rechner liefen. Dann firmierte das Betriebssystem auf "System i" um. Mit der Zusammenlegung in die Power-Systems-Familie heißt das Betriebssystem nunmehr schlicht "i".

Neue Virtualisierung

Im Zuge der Umstrukturierung hat IBM auch einen neuerlichen Versuch gestartet, seine Virtualisierungsangebote in eine Systematik zu bringen. "Power VM" ist die Antwort auf die Veränderungen im Markt und ist als Nachfolger von "Advanced Power Virtualization" zu sehen.

Die IBM reagiert auf Aktivitäten der Konkurrenz, indem sie etwa in Power VM die Option bietet, eine laufende logische Partition (LPAR, was im Prinzip eine virtuelle Maschine ist) von einem Server auf einen anderen zu verlagern, ohne dass sie heruntergefahren werden muss. "Live Partition Mobility" heißt IBMs Antwort auf "VMotion", das der Virtualisierungsspezialist VMware anbietet.

Zudem hat man das LPAR-Konzept um die Option "AIX Workload Partitions" (WPAR) ergänzt. Hierbei handelt es sich um Betriebssystem-Container, die sich ebenfalls dynamisch verschieben lassen. Haff vertritt allerdings die Meinung, dass WPARs nicht ohne Unterbrechung genutzt werden können, sondern im Prinzip erst einmal heruntergefahren werden müssen.

Im Zuge des Produkt-Revirements richtet die IBM auch die Softwareaktivitäten der STG anders aus. Neben den Bereichen Virtualisierung sowie Betriebssystem- und Integrations-Layer nennt das Unternehmen jetzt als Ordnungskriterien der Power-Systems-Software-Group die Themen Verfügbarkeit, Sicherheit, Energiekonsum (dies unter dem Schirm "Energy Scale") sowie Management, worunter im Wesentlichen IBMs "System Directory" fällt. Auch bei diesen Bemühungen geht es vor allem um eine nachvollziehbare konsistente Nomenklatur. So wird aus dem seit langem als Wortungetüm existierenden Unix-Cluster-Produkt "High Availability Cluster Multi-Processing" (HACMP) schlicht "PowerHA for AIX" und "PowerHA for Linux". Die AS/400 respektive System-i-Variante "System i High Availability Clusters" (HASM) wird analog zur "PowerHA for i".

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