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Polizei will Smartphone knacken mit 3D-Fingermodell eines Toten

22.07.2016 | 13:47 Uhr |

Die Polizei will das Smartphone eines Mordopfers entsperren. Mit dem 3D-Modell der Finger des Mordopfers. Eine Premiere.

Die Polizei muss ein Smartphone entsperren. Weil sich auf dem Smartphone möglicherweise Hinweise zur Aufklärung eines Mordfalls befinden. Der Zugriff auf das Smartphone ist per Fingerabdruck und Passcode gesichert.

Doch die Person, mit deren Fingerabdruck sich das Smartphone entsperren ließe, ist tot. Denn es ist der Smartphone-Besitzer, der ermordet wurde. Und dessen Mord die Polizei mit Hilfe des gesperrten Smartphones aufklären will.

Deshalb erscheinen im Juni 2016 Polizisten bei Anil Jain, Professor an der Michigan State University. Jain ist Experte für biometrische Identifizierungsverfahren wie Gesichtserkennung und Fingerabdruck-Scanner, wie Fusion.net berichtet.

Die Polizei bittet Jain, dass dieser eine 3D-Nachbildung der Finger des Mordopfers anfertigt. Damit die Polizei mit diesem 3D-Fingermodell das Smartphone entsperren könne.

Die Polizei besitzt sogar einen Scan der Fingerabdrücke des Mordopfers aus der Zeit, als das Opfer noch lebte. Das Opfer war offensichtlich schon einmal erkennungsdienstlich erfasst worden, laut Engadget war der Mann kurz vor seinem Tod einmal festgenommen worden.

Mit diesen Scans erstellt Jains Labor, genauer gesagt dessen Mitarbeiter Sunpreet Arora, tatsächlich 3D-Nachbildungen von allen zehn Fingern des Verstorbenen. Die Polizei benötigt von allen Fingern ein 3D-Modell, weil sie nicht weiß, mit welchem Finger das Mordopfer sein Smartphone entsperrte.

Doch nur mit einem 3D-Modell allein kann man die meisten Fingerabdrucksensoren nicht überlisten. Da diese Sensoren meist kapazitiv ausgelegt sind und deshalb auch einen geschlossenen Stromkreis zwischen Sensor und Finger benötigen. Deshalb überzieht das Labor von Jain das 3D-Fingerabdruckmodell noch mit einer dünnen Metallschicht, die Strom leitet.

Doch ganz so einfach, wie sich das Ganze nun liest, ist es in der Praxis nicht. Sunpreet Arora benötigt noch einige Wochen, bis das 3D-Modell perfekt ist. Erst wenn das Modell einige Tests im Labor bestanden hat, will Jain es der Polizei zur Verfügung stellen. Damit diese damit endlich das Smartphone des Mordopfers knackt. Falls das klappt, wäre das der weltweit erste bekannt gewordene Fall, in dem ein Smartphone mit dem 3D-Fingerabdruckmodell eines Toten entsperrt wurde.

Ein zusätzliches Problem kann allerdings noch auftreten: Einige moderne Smartphones sind offensichtlich so konfiguriert, dass sie nach einer erfolgreichen Fingerabdruckeingabe zusätzlich noch einen Passcode verlangen. Und zwar dann, wenn der Fingerabdruck mindestens 48 Stunden lang nicht mehr zum Entsperren verwendet wurde. Um was für ein Smartphones es sich in diesem Fall konkret handelt, ist unbekannt.

Dieser Fall weckt Erinnerung an das iPhone 5c eines der beiden San-Bernardino-Attentäters. Damals bat das FBI Apple darum beim Entsperren des iPhones zu helfen: Apple sollte damals einen Hintertür in das iOS-System des besagten iPhones einbauen. Apple weigerte sich. Das FBI ließ das iPhone nach wochenlangen Gezerre schließlich von Hackern knacken. Und zahlte dafür mehr als eine Million US-Dollar.

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