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Polizei erhält neues Computersystem

09.04.2001 | 15:53 Uhr |

Deutsche Polizisten kennen so etwas nur aus US-Krimis: Mit einem Knopfdruck erscheint die gesamte kriminelle Karriere eines Verdächtigen auf dem Bildschirm. Damit dies nicht Science-Fiction bleibt, führt die Polizei bundesweit zum 15. April ein neues Computerprogramm ein.

Deutsche Polizisten kennen so etwas nur aus US-Krimis: Mit einem Knopfdruck erscheint die gesamte kriminelle Karriere eines Verdächtigen auf dem Bildschirm. Damit dies nicht Science-Fiction bleibt, führt die Polizei bundesweit zum 15. April ein neues Computerprogramm ein.

Während man sich am Standort der Zentralrechner, dem Bundeskriminalamt in Wiesbaden, auch ohne vorherigen Pilotversuch optimistisch gibt, haben etliche Bundesländer erhebliche Probleme, die Ausstattung ihrer Polizei rechtzeitig zu modernisieren. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) befürchtet wegen der unterschiedlichen Geschwindigkeit der Länder zusätzliche Kosten und sieht darüber hinaus Sicherheitslücken.

"Inpol" war am 13. November 1972 in Betrieb genommen worden und stammt somit aus der Computer- Steinzeit. Es besteht im Wesentlichen aus strikt voneinander getrennten Dateien etwa über Straftäter, Kriminalakten, Haftstrafen, Spuren oder so genannte "Tatmittel" wie zum Beispiel Waffen. Abfragen in dem seit 29 Jahren permanent weiter verschachtelten System gestalteten sich schwierig, da sämtliche Dateien neue Zugangsberechtigungen verlangen und unterschiedliche, sehr komplexe Oberflächen haben.

In der Praxis erschwerten zudem die unterschiedlichen nebeneinander existierenden Landes- und Bundessysteme den Beamten die Arbeit. Bereits in den Landescomputern vorhandene Daten mussten wegen unterschiedlicher Betriebssysteme für die BKA-Rechner erneut eingegeben werden.

Mit der neuen Software auf Windows-Netzwerkbasis soll nun alles besser werden: Jede Information muss nur einmal eingegeben werden, landet in einem gemeinsamen Daten-Pool und kann dort schnell zu aktuellen Lagebildern verarbeitet werden. Der schnelle Abruf bei einer Verkehrskontrolle könnte so Wirklichkeit werden, vorausgesetzt, dass überall im Land Eingabe-Terminals stehen und die Sachbearbeiter die Daten nach einheitlichen Kriterien eingeben. Das BKA spricht vom "flächendeckenden Sachbearbeiter-Prinzip".

Datenschützern ein Dorn im Auge ist der Umstand, dass Länder- und Bundesdateien nicht mehr so eindeutig voneinander getrennt sind wie früher. Da die einmal eingegebenen Daten rechtlich im Besitz der Länder bleiben müssen, ist die geplante zentrale Speicherung im Auftrag der Länder beim BKA datenschutzrechtlich zumindest heikel. Die GdP warnt zudem vor Sicherheitsrisiken: Die Gefahr von Abhängigkeiten gegenüber externen Unternehmen sei schon jetzt sehr groß, da die Programme mit viel zugekauftem Sachverstand entwickelt worden seien. (PC-WELT, 09.04.2001, dpa/ ml)

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