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Zeugen und Opfer von SMS-Abzocke gesucht

Nach einer Großrazzia in Schleswig Holstein sucht die Kriminalpolizei aus Kiel jetzt Zeugen und Opfer von Handy-Betrügern. Die Firmen Mintnet und Mobile Solutions sollen mit manipulierten SMS-Chats und falschen Auto-Inseraten abgezockt haben.

Die Polizei in Kiel geht neue Wege: Über ein Posting im Verbraucherschutzportal Antispam.de sucht der Kriminaloberkommissar Tim Albertsen nach Personen, die durch betrügerische SMS oder teure Telefonnummern abgezockt wurden. Die Ermittlungen richten sich gegen die Firmen Mintnet aus Flensburg und Mobile Solutions aus Kiel. Schon im Dezember hatten Polizei und Staatsanwaltschaft bei einer Großrazzia mehr als 40 Wohnungen und Geschäftsräume in Schleswig-Holstein durchsucht. Sie konnten mehrere leitende Mitarbeiter verhaften und nahmen hundert Kartons mit Daten, Akten und Festplatten als Beweismaterial mit. Ihre Durchsicht wird einige Monate dauern.

Die Polizei sucht jetzt Geschädigte und Zeugen, um ein Gerichtsverfahren eröffnen zu können. Wer zu der Lösung des Kriminalfalles beitragen kann, soll eine E-Mail an die zuständige Polizei-Dienststelle senden.

Update, 6.2.09: Wie die Polizei und mitgeteilt hat, haben sich durch den Aufruf genügend Zeugen gemeldet. Daher wurden die Kontaktdaten editiert. Geschädigte, die auf diesen Aufruf nunmehr aufmerksam geworden sind, werden bei Strafverfolgungsinteresse gebeten, bei ihrer örtlichen Polizeidienststelle eine Strafanzeige zu erstatten. Die Anzeigen werden dann durch die aufnehmenden Dienststellen an die Kieler Polizei weitergeleitet.

Die Abzocke muss ein lohnenswertes Geschäft gewesen sein. Bei der Razzia konnte die Polizei nicht nur Geld und geldwerte Sicherheiten pfänden, sondern auch den Aston Martin Vantage des Geschäftsführers von Mintnet. Solche Sportwagen für über 100.000 Euro kennen die meisten Opfer der Abzocke nur aus Filmen mit James Bond. Die Firmen verwendeten zwei verschiedene Tricks, welche die Polizei bei Antispam.de genau erklärt.

Im Internet und in Zeitungen schalteten die Unternehmen Werbeanzeigen, in denen sie Autos weit unter dem Marktpreis anboten. Wer die Handynummer aus dem Inserat anrief, hörte aber nur den Hinweis, dass er eine andere Telefonnummer mit der Vorwahl 0137 anrufen soll. Auch unter dieser Nummer war immer nur eine Ansage zu hören, dass gerade niemand keiner erreichbar sei. Sie kostete 1 Euro pro Anruf. Die beworbenen Autos kann es nach Einschätzung der Polizei gar nicht geben, weil die "in der Anzeige genannte technische Details von den Autoherstellern in keinem gängigen Modell kombiniert waren". Die Interessenten sollten nur zu möglichst vielen Anrufen verführt werden.

Für den zweiten Trick eröffneten die mutmaßlichen Betrüger ein Forum im Internet, in dem man angeblich attraktive Singles kennenlernen konnte. "Die Kommunikation erfolgte allerdings ausschließlich über Moderatoren der Firmen, welche über eine lange Zeit versuchten, Kontaktwillige in eine Kommunikation per SMS einzubinden, wobei jede an die Kurzwahl geschickte SMS mit einem Betrag von 1,99 Euro abgerechnet wurde", erklärt der Kriminaloberkommissar die Masche. Anscheinend waren alle Kontaktangebote auf der Website gefälscht und es kam nie zu einem Treffen.

Neue Opfer fanden die Abzocker angeblich, in dem sie das Internet und Kontaktanzeigen nach Handynummern durchsuchten, an die sie SMS schickten. Die Antworten mussten an eine fünfstellige Kurzwahlnummer gesendet werden, was knapp 2 Euro kostete. Besonders gemein: Die teure Kurzwahl sollen sie eventuell verschleiert haben, in dem sie zwei Ziffern anhängten und eine Vorwahl davor stellten. Dadurch sah es wie eine normale Handynummer aus, aber Anrufe und SMS kosteten viel mehr.

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