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Haftstrafe und Handy-Beschlagnahme für Unfall-Gaffer geplant

13.05.2016 | 15:16 Uhr |

Rücksichtslose Gaffer fotografieren ein schwer verletztes Mädchen mit ihren Smartphones. Und behindern dabei die Rettungskräfte. Jetzt gibt es eine Gesetzesinitiative zur Betrafung von Unfall-Gaffern: Bis zu einem Jahr Gefängnis drohen. Die Polizei soll zudem Handys beschlagnahmen dürfen.

Update 13. Mai 2016: Haftstrafe für Gaffer geplant

Weil rücksichtslose Gaffer mit ihren Smartphones nicht nur immer öfter geschmacklose Fotos von Unfallopfern schießen, sondern obendrein auch noch Polizei, Feuerwehr, Sanitäter und Notärzte bei deren lebensrettender Arbeit behindern, haben die Bundesländer Niedersachsen und Berlin eine Gesetzesinitiative für die Bestrafung von Gaffern in den Bundesrat eingebracht. Das berichtet n-tv. Danach sollen Personen, die Feuerwehr, Katastrophenschutz oder Rettungsdienst bei Unglücksfällen behindern mit einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder mit einer Geldstrafe belegt werden. Ebenso soll das Herstellen und Verbreiten von bloßstellenden Bildern verstorbener Personen bestraft werden. Die Polizei soll zudem ermächtigt werden, Schaulustigen die Handys wegzunehmen.

Ende des Updates, Beginn der ursprünglichen Meldung

Ein Mädchen läuft bei Rot über die Fußgängerampel. Ein vorfahrtberechtigter VW-Golf-Fahrer kann nicht mehr rechtzeitig bremsen und fährt die Schülerin an. Sie bleibt schwer verletzt auf der Kreuzung liegen. Solch tragische Unfälle passieren leider und sind auch beim derzeitigen Stand der Technik nicht vermeidbar.

Was jedoch vermeidbar ist: Dass Schaulustige mit ihren Smartphones die Rettungskräfte behindern. Die Polizei aus Hagen in Nordrhein-Westfalen fand für dieses rücksichtslose Verhalten deutlich Worte auf Facebook:

„Schämt Euch, ihr Gaffer vom Hauptbahnhof!
Hey ihr Gaffer vom Hauptbahnhof,
wie ihr ja bereits durch Eure grenzenlose Neugier wisst, ist heute Nachmittag - in unmittelbarer Nähe zum Hagener Hauptbahnhof - ein kleines Mädchen von einem Auto angefahren worden, als es bei Rot über die Straße lief. Dabei verletzte es sich schwer und musste mit einem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus gebracht werden.
Ihr solltet Euch was schämen, dass mehrere hundert von Euch mit dem Smartphone in der Hand die Rettungsarbeiten massiv behindert haben. Euch ging es nur darum, das verletzte Kind und die Landung des Hubschraubers zu filmen. Sogar mehrere Streifenwagen waren notwendig, um den Rettungskräften den nötigen Platz zu verschaffen. Polizisten in der Absperrung habt ihr gefragt, ob sie mal an die Seite gehen können, damit ihr besser filmen könnt. Unfassbar!
Um das Mädchen in Ruhe behandeln zu können, hat es die Feuerwehr mit weißen Tüchern verdeckt. Aber selbst das hat Euch nicht daran gehindert, mit Euren Smartphones in der Hand angelaufen zu kommen und über die Tücher zu gaffen. Das ist wirklich der Gipfel der Skrupellosigkeit.
Merkt Euch für die Zukunft eins: Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei sind da um Leben zu retten und nicht um durch Euch Gaffer in ihrer Arbeit behindert zu werden. Jeder von uns könnte der Nächste sein und bei der Menschenrettung zählt jede Sekunde. Wir haben im Einsatz echt was Besseres zu tun, als uns auch noch um Euch zu kümmern. Lasst zukünftig die Smartphones in der Tasche und geht einfach weiter.
Die Polizei Hagen“.

Ende des Zitats

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