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Politik im Netz - das Internet sorgt für mehr Transparenz

Politik lebt vom Mitmachen - gerade jungen Wählern scheint das Ergebnis der anstehenden Landtags- und Bundestagswahlen jedoch zunehmend egal zu sein. Oft wissen sie auch nicht, für welche politischen Inhalte die Parteien eigentlich stehen, wie etwa aus der Shell-Jugendstudie von 2002 hervorgeht. Das Internet kann hier Abhilfe gegen Politikverdrossenheit schaffen: Surfer finden interaktive Hilfen, die Parteiprogramme verständlicher machen. Auch als Lexikon zur politischen Bildung ist das Web eine praktische Stütze. Zudem finden Bürger hier rege Diskussionsforen.

"Für Jugendliche und Jungwähler bietet das Internet einen spielerischen Einstieg in die Politik", sagt Thorsten Schilling, Leiter des Internetauftritts der Bundeszentrale für politische Bildung (BpB) in Bonn. Als erste Entscheidungshilfe im Wahlkampf dient zum Beispiel der interaktive "Wahl-O-Mat" der BpB: Dieser vergleicht in 29 Fragen die Ansichten des Wählers mit Parteiprogrammen. So könnten Nutzer per Mausklick die Partei finden, die ihre Meinung am besten vertritt. "Der Automat soll Nutzern die Wahlentscheidung natürlich nicht gänzlich abnehmen", sagt Schilling.

Um Jugendlichen die Politik wieder schmackhaft zu machen, bietet die BpB spezielle "Jugendmarken" wie das Online-Magazin "Fluter.de" oder das "Projekt P" mit dem Motto "Misch dich ein". Hier können Jugendliche in eigenen Beiträgen politische Themen aus ihrer Sicht diskutieren. Dabei dürfe der Ton ruhig etwas flotter sein, so Schilling. Auch Kinder können online etwas über die Streitthemen der Großen lernen. Im "Hanisauland" bietet die BpB Comics, Spiele und Videos, die in die Welt der Politik einführen.

Zudem finden Surfer auf Internetseiten wie Politik-digital.de eine rege Gemeinschaft für politische Diskussionen. Die Macher bitten jede Woche einen Polit-Prominenten in ihren Chatraum, wo er den Bürgern Rede und Antwort steht.

Für aktuelle Diskussionen bietet die Seite neben Foren einen Weblog an, in dem Nutzer tagespolitische Ereignisse frei kommentieren können. "Bei politischen Diskussionen im Netz gibt es aber Spielregeln", sagt Geschäftsführer Christian Dowe in Berlin. Anwender sollten sich mit Toleranz und Respekt begegnen. Störenfriede würden von den Moderatoren ausgeschlossen.

Dank seiner Interaktivität könne das Internet für mehr Transparenz in der Politik sorgen, meint Dowe. So will seine Seite Wählern das "ferne Europa" näher bringen: Das "Dschungelbuch" soll durch das Dickicht der EU-Bürokratie führen. Auch können Surfer im "Kand-O-Mat" die derzeitigen Europa-Parlamentarier näher kennen lernen. Dabei fällen Nutzer zunächst anhand des persönlichen Eindrucks das Urteil "Frappant oder Charmant?". Auf den zweiten Klick erhalten sie dann Angaben über die politische Arbeit des Kandidaten.

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