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Playmobil-Pirat sorgt für Boykottaufruf auf Facebook

09.10.2015 | 14:50 Uhr |

Ein kleiner Playmobil-Pirat sorgt auf Facebook und in US-Medien für Unruhe und führt zu Boykottaufrufen. Denn der Pirat trägt einen Sklavenring um den Hals. Und die Figur soll offensichtlich einen Afroamerikaner darstellen.

Eine Tante schenkte ihrem fünf Jahre alten Neffen das Playmobil-Piratenschiff zum Geburtstag. Der Junge baut das Schiff begeistert zusammen. Doch da entdeckt die Mutter des Jungen eine Playmobilfigur, die einen dunkelhäutigen Piraten darstellt. Das ist aber noch nicht das Problem. Sondern ein kleines Detail, das um den Hals des Plastik-Piraten angebracht werden soll, lässt der Mutter den Kamm schwellen – und beschert Playmobil nun fast schon hysterische Kritik im Internet. Auf der US-Facebookseite von Playmobil ist sogar von einem Boykott von Playmobil die Rede.
 
Was trägt nun aber der kleine Pirat um seinen Hals? Einen Sklavenring. Die zum Piratenschiff mitgelieferte Bauanleitung beschreibt, wie man das Stahlhalsband bei der Figur (die eine zerrissene Hose trägt und barfuß ist) anbringt.

Die Anleitung von Playmobil zeigt, wie man den Sklavenring an dem dunkelhäutigen Piraten anbringen soll.
Vergrößern Die Anleitung von Playmobil zeigt, wie man den Sklavenring an dem dunkelhäutigen Piraten anbringen soll.
© Playmobil

Mit so einem Metallring wurden während der Zeit der Sklaverei Sklaven angekettet. Der Sklavenring ist laut dem Facebook-Kommentar der schenkenden Tante nicht schon immer Bestandteil des Piratenschiffs, in älteren Ausgaben des Playmobil-Piratenschiffs soll es den Ring noch nicht gegeben haben.

Playmobil fertigt seine Figuren mit großer Liebe bis ins kleinste Detail. Und historisch gesehen gab es nun einmal Piraten, die entlaufene oder befreite dunkelhäutige Sklaven waren. Und so einer konnte durchaus noch einen Sklavenring um den Hals tragen.

Doch die Mutter wirft dem Fürther Spielzeuggiganten Rassismus vor. Die Tante wiederum, die ihrem Neffen das Playmobil-Piratenschiff geschenkt hat, postete Fotos von der Figur zusammen mit einem sehr aufgeregten und vorwurfsvollen Kommentar auf der US-Facebookseite von Playmobil. Eine andere Frau reagiert auf Facebook geradezu hysterisch und fragt, ob es okay wäre, wenn ein Spielzeug Kinder zeigen würde, die in die Öfen von Ausschwitz gehen (die Frau meint sicherlich die Gaskammern und nicht die Krematorien). Ein weitere Frau kündigt an, Playmobil-Produkte boykottieren zu wollen.

Playmobil-Pirat sorgt für Boykottaufruf auf Facebook
Vergrößern Playmobil-Pirat sorgt für Boykottaufruf auf Facebook

Doch gerade auch auf Facebook bekommen die aufgeregten Amerikanerinnen Gegenwind, einige FB-Nutzer verteidigen Playmobil. Es ist also keinesfalls so, dass sich sofort alle FB-Nutzer an dem Playmobil-Bashing beteiligen. Auch auf Twitter bekommt Playmobil Unterstützung und die aufgeregte Tante sowie die entrüstete Mutter müssen sich Kritik gefallen lassen: „Sklaverei ist falsch, aber die Empörung dieser Frau ist lächerlich“.

Die Mutter denkt darüber nach das Playmobil-Schiff zurück zu geben. Die National Association for the Advancement of Colored People (NAACP) kritisiert Playmobil ebenfalls und fordert die Entfernung des Piratenschiffes aus den Regalen. Toys"R"Us bietet das Playmobilschiff samt Sklavenring-Piraten für rund 63 Dollar weiter an.

Gegenüber der Washington Post verteidigte sich Playmobil: „Das Spielzeug solle das Leben auf einem Piratenschiff auf dem 17. Jahrhundert darstellen“. Und weiter: „Wenn man auf die Verkaufsverpackung schaue, dann sehe man, dass die Piratenfigur klar ein Mitglied der Piratenmannschaft sei und nicht ein Gefangener“. Playmobil fährt fort: „Die Figur soll in einem historischen Kontext einen Piraten darstellen, der früher mal ein Sklave gewesen war. Wir wollten damit niemanden beleidigen“.

Playmobil-Figuren sind immer wieder ein Internet-Thema. So verkaufen einiger Anbieter die beliebten Figuren zu Wucherpreisen auf Amazon und Ebay.

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