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GuttenPlag Wiki zieht erstes Fazit

22.02.2011 | 08:53 Uhr |

Karl-Theodor zu Guttenberg hat gestern Abend auf seinen Doktor-Titel verzichtet. Kurz zuvor legte GuttenPlag Wiki seinen Zwischenbericht vor: Auf 271 Seiten der Doktorarbeit wurden bis dato Plagiate gemeldet.

Der Zwischenbericht, den man hier nachlesen kann , lässt an den erheblichen wissenschaftlichen Mängeln der mit der Höchstnote bewerteten Doktorarbeit von Karl-Theodor zu Guttenberg keinen Zweifel: Auf 271 Seiten, das sind 68,96 Prozent der Arbeit, finden sich Plagiate. GuttenPlag Wiki listet die einzelnen Fundstellen akribisch auf, nennt die tatsächlichen Urheber der jeweiligen Passagen und ordnet die einzelnen Plagiate zudem kritisch ein. Von den 271 gemeldeten Plagiaten wurden bis gestern Abend 160 verifiziert.

Die Voll-Plagiate machen demnach 1115 Zeilen und damit ungefähr 27 ganze beschriebene Seiten aus. Dazu kommen weitere 1437 Zeilen mit „verschleierte Plagiaten“, die rund 35 Seiten reinen Text ausmachen, wie die Wiki-Macher erläutern. Somit wurden bei 21,5 Prozent der Doktorarbeit Plagiate als solche sicher identifiziert.

GuttenPlag Wiki zieht daraus folgendes Fazit:

„In der Dissertation wurden in erheblichem Ausmaß fremde Quellen verwendet, die nicht als Zitat gekennzeichnet wurden. Dies ist eine eklatante Verletzung der wissenschaftlichen Arbeitsweise. Die zahlreichen textuellen Anpassungen der Plagiate, die Tatsache, dass die Plagiate über die ganze Dissertation hinweg zu finden sind, und die Tatsache, dass selbst die Einleitung kopiert wurde, lassen darauf schließen, dass diese Plagiate kein Versehen waren, sondern bewusst getätigt wurden.“

Karl-Theodor zu Guttenberg hat seine Doktorarbeit bei dem mittlerweile im Ruhestand befindlichen Prof. Peter Häberle an der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Bayreuth geschrieben. Häberle bewertete die offensichtlich voller Plagiate steckende Dissertation mit der Bestnote "summa cum laude". Der Doktorvater verteidigte Guttenberg bis zuletzt : „Die Arbeit ist kein Plagiat“ und „sie wurde von mir in zahlreichen Beratungsgesprächen eingehend kontrolliert.“  Pikant: Für Mai 2012 ist geplant , dass Guttenberg eine Festrede vor Doktoranden an seiner alten Uni halten soll.

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