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Philae funkt wieder zur Erde – und twittert eifrig

15.06.2015 | 14:16 Uhr |

Nach sieben Monaten Winterschlaf hat sich Philae wieder vom Kometen Tschuri gemeldet. Der Kometen-Lander besitzt sogar einen eigenen Twitter-Account. Alle Links zum wiedererwachten Kometen-Erkunder.

Am 12. November 2014 verfolgte alle Weltraum-Interessierten, wie die europäische Weltraumbehörde ESA ihre Weltraumsonde Rosetta in die Nähe des Kometen Tschuri (mit vollständigem Namen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko) brachte und dann die Landeeinheit Philae (für die die DLR verantwortlich ist) von Rosetta (diese Raumsonde ist ein Projekt der ESA) abkoppeln und auf dem Kometen laden ließ. „Rosetta und Philae sollen die Entstehungsgeschichte unseres Sonnensystems erforschen, indem sie einen der ältesten und ursprünglichsten Himmelskörper, einen Kometen, untersuchen“, erklärte die europäische Weltraumorganisation ESA damals das Projekt.
 
Der Jubel über die erste geglückte Landung auf einem Kometen war riesig, zumal Philae ganz wie geplant einige Experimente durchführte und Daten zur Erde funkte. 56 Stunden lang, dann aber herrschte Funkstille. Denn Philae war nicht an der eigentlich vorgesehenen Landestelle aufgesetzt und erhält deshalb weniger Sonnenlicht als geplant. Damit können die Sonnensegel von Philae nicht genügend Strom für die Batterien liefern und dem kleinen Lander ging der Saft aus.

Den ESA-Experten blieb nichts anderes übrig als darauf zu warten, bis der Komet mit Philae wieder näher an die Sonne ranrückte. Und Philae dann wieder genügend Sonne abbekommen würde um seine Experimente fortsetzen zu können – die ESA-Wissenschaftler hatten dafür eigens noch auf den letzten Drücker die Sonnensegel von Philae neu ausgerichtet. Genau das ist jetzt passiert.

Nach sieben Monaten ohne Lebenszeichen von Philae hat sich der Lander auf dem Kometen Tschuri über die Sonde Rosetta jetzt wieder bei der Bodenkontrollstation des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln gemeldet. Offensichtlich bekommt er nun genügend Sonnenlicht ab, um über ausreichend Strom zu verfügen. Mit dem Datensammeln hat der Lander offensichtlich bereits vor einigen Tagen begonnen, wie die FAZ in ihrer Online-Ausgabe berichtet.

Die Daten, die Philae bis jetzt zur Erde funkte, geben in erster Linie über ihn selbst und seine Situation Auskunft. Also zum Beispiel wie viel Sonnenbestrahlung er abbekommt und wie die Umgebungstemperaturen sind; die Betriebstemperatur von Philae beträgt demnach -35 Grad Celsius.

Von den Verhältnissen vor Ort will das ESA-Team sein weiteres Vorgehen abhängig machen und die Sonde Rosetta zur besseren Signalübertragung eventuell anders ausrichten. Denn viel Zeit für Experimente bleibt den europäischen Weltraumforschern nicht, vermutlich nur einige Wochen können sie Philae und Rosetta verwenden. Weil der Komet dann der Sonne so nahe kommt, dass Philae vielleicht sogar regelrecht "geröstet" wird.

Hier finden Sie alle Informationen über Philae
 
Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR berichtet hier über Philae. Die Europäische Weltraumagentur ESA wiederum Informiert hier über Philae und Rosetta. Der Rosetta-Blog der ESA zu Philae ist hier nachzulesen. Philae besitzt sogar einen Twitteraccount, den natürlich die DLR-Wissenschaftler von Köln aus betreuen - Philae twittert also nicht vom Kometen aus. Die Facebook-Seite der DLR gibt es hier und den dazu gehörigen Twitter-Account finden Sie unter dieser Adresse.
  Kleine Namenskunde

Rosetta beziehungsweise Rosette bezeichnet einen Ort im Nildelta. Dort wurde der berühmte Stein von Rosetta gefunden, mit dem Jean-François Champollion unter anderem die Hieroglyphen entzifferte. Der Stein von Rosetta befindet sich heute im britischen Museum in London. Und Philae war/ist eine Insel aus Oberägypten mit berühmten Tempelbauten. Allerdings fiel Philae dem Bau des Assuanstausees zum Opfer. Der Komet 67P/Tschurjumow-Gerassimenk wiederum ist nach seinem Entdeckern Klym Tschurjumow und von Swetlana Gerassimenko  benannt.

 
 

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