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Jack Wolfskin startet Abmahnwelle

20.10.2009 | 08:51 Uhr |

Das für seine Outdoor-Bekleidung bekannte Unternehmen Jack Wolfskin verschickt derzeit eifrig Abmahnschreiben. An Hobby-Näher und -Schneider, die im Internet selbstgebastelte Kleinwaren wie Strampelhosen und Sticker verkaufen und darauf den Abdruck einer Tatze/Pfote anbringen.

Die Wolfstatze ist bekanntlich das eingetragene und geschützte Markensymbol von Jack Wolfskin . Bei der Verwendungen von Tatzen auf Textilprodukten, die nicht vom eigenen Unternehmen stammen, versteht Jack Wolfskin aber keinen Spaß. Seit Oktober verschickt die Anwaltskanzlei Harmsen Utescher im Auftrag von Jack Wolfskin Abmahnschreiben an Anbieter von Produkten mit Tatzen/Pfoten darauf. Betroffen sind Bastler, die ihre mit Tatzen bestickten Handschuhe oder Ohrstecker beim Online-Portal Dawanda anbieten.

Die Verwechslungsgefahr mit Outdoor-Produkten von Jack Wolfskin dürfte gegen Null gehen, zumal die von Wolfskin abgemahnten Tatzen augenscheinlich nicht völlig identisch mit der typischen Wolfskin-Tatze sind. Doch Jack Wolfskin sieht diese Produkte mit Tatzen/Pfoten darauf trotzdem als Verletzung seiner geschützten Markenrechte an.

Die Abmahnschreiben habe es in sich: Der Streitwert pro Fall liegt laut Spiegel.de zwischen 20.000 und 25.000 Euro. Die daraus abgeleiteten Gebühren betragen pro Fall zwischen 850 und 1000 Euro – diese muss der oder die Abgemahnte innerhalb von drei Wochen bezahlen und sich verpflichten, keine Produkte mit Tatzen mehr anzubieten; binnen zwei Wochen muss der Abgemahnte die beigefügte Unterlassungserklärung unterschreiben. Dann ist der Fall erledigt.

Hobby-Bastler, die sich stur stellen und nicht bezahlen, müssen mit einem Gerichtsverfahren rechnen, wie das rechtsanwaltliche Schreiben unmissverständlich androht. Ob Jack Wolfskin seinen Forderungen auch tatsächlich vor Gericht durchsetzen kann, ist allerdings eine noch offene Frage. In der Praxis hilft das den Betroffenen aber wenig: Denn welcher Heimarbeiter oder welche Hausfrau, die nebenher ein paar Euro mit selbst gestrickten Waren verdienen will, hat schon das Geld und den Mut, um einen Prozess mit ungewissem Ausgang gegen den Outdoor-Bekleidungs-Riesen zu führen?

Auch wenn sich Jack Wolfskin juristisch durchsetzen dürfte, der Imageschaden ist bereits jetzt riesengroß. Das Verschicken von juristisch korrekt ausformulierten Abmahnschreiben mit darin aufgebauter Drohkulisse passt so gar nicht zum sympathisch-lässigen Outdoor-Image, in diversen Weblogs und bei Dawanda schreiben sich Betroffene den Frust von der Seele.

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