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PewDiePie und andere Youtuber kassierten Geld für Schleichwerbung (Update)

14.07.2016 | 15:04 Uhr |

Käuflicher Youtube-Millionär: PewDiePie und einige andere Youtuber haben von Warner Bros. Geld bekommen für Schleichwerbung auf Youtube, Facebook und Twitter. Das gab Warner Bros. nun zu. Update: PewDiePie bezieht Stellung.

Wie The Verge berichtet , bekam der berühmte Youtube-Star PewDiePie heimlich Tausende US-Dollar von Warner Bros. Home Entertainment. Im Gegenzug musste er das Konsolen-Spiel "Middle Earth: Shadow of Mordor" von Warner Brothers positiv bewerten und in seinen Videos wohlwollend vorstellen. PewDiePie war zudem nicht der einzige Youtuber, dem Warner Bros. heimlich Tausende Dollar für positive Spiele-Rezensionen zahlte. Die gekauften Youtuber wiesen in ihren Videos entweder überhaupt nicht darauf hin, dass sie Geld bekommen haben oder versteckten diese Hinweise hinter Show-More-Buttons, so dass sie kaum ein Zuschauer sah.

Das hat die in den USA für den Verbraucherschutz zuständige Federal Trade Commission nun offiziell festgestellt. Die FTC wirft dem Medien-Giganten vor, dass dieser seine finanziellen Zuwendungen an PewDiePie und andere Youtube-Stars nicht öffentlich gemacht hat. Faktisch täuschten Warner Bros., PewDiePie und die anderen Youtuber also ihre Zuschauer. Die staatliche Aufsichtsbehörde spricht „wörtlich“ von Betrug: „Warner Bros. betrog seine Kunden, indem es Tausende Dollar an Social Media ‘Influencers’ wie dem YouTube Megastar PewDiePie zahlte, um das Spiel Middle Earth: Shadow of Mordor” vorzustellen, ohne darauf  hinzuweisen, dass Geld dafür floss”.

Warner Bros. akzeptierte das Urteil der FTC. Zu einer Geldstrafe wurde Warner Bros. noch nicht verurteilt, diese droht erst bei einem weiteren Verstoß.

Der Medien-Konzern verpflichtet sich, bei ähnlichen künftigen Vereinbarungen ausdrücklich auf geleistete Zahlungen hinzuweisen. Zudem darf Warner Bros. nicht mehr behaupten, dass gesponserte Videos und Artikel die Arbeit von unabhängigen Produzenten seien. Die Entscheidung der FTC kann hier im Detail nachgelesen werden. Sie kann bis zum 10. August diskutiert werden, danach will die Kommission darüber entscheiden, ob die Entscheidung abschließend und dauerhaft gültig ist. Interessierte Parteien können sich hier online dazu äußern.

Die FTC stellt klar: „Kunden haben das Recht zu wissen, ob Rezensenten ihre eigene Meinung äußern oder aber ihr Wohlwollen erkauft wurde“.

Im Rahmen des heimlichen Deals zwischen Warner Bros. und den Social-Media-Meinungsbildnern wie PewDiePie wurde zudem festgelegt, dass die „Youtube-Stars“ zusätzlich auch mindestens einen Tweet oder ein Facebook-Posting über das Spiel verfassen mussten. Die Einflussnahme von Warner Bros. beschränkte sich also nicht auf Youtube, sondern erfasste auch Twitter und Facebook. Für die Youtube-Videos wurde in der Vereinbarung zwischen dem Medienkonzern und den Youtubern festgelegt, dass in den Videos keine negativen Aspekte von dem Spiel gezeigt werden dürfen. Ebenso durfte nichts Negatives über Warner Bros. gesagt werden. Sollten die Youtuber Pannen oder Bugs in dem Spiel entdecken, durften sie darüber nicht berichten. Zudem sollte in den Videos eine deutliche Empfehlung ausgesprochen werden, auf den Link zur Hersteller-Webseite zu klicken, um dort mehr über das vorgestellte Spiel zu erfahren.

Besonders fies: Etwaige Hinweise auf das Sponsoring, die in den Videos eingeblendet wurden, wurden durch Schaltflächen verdeckt und konnten erst gelesen werden, wenn der Zuschauer auf „Show more“ klickte. Bei den Postings auf Facebook und Twitter fehlten die Sponsoring-Hinweise ganz.

Alle Videos zusammen bekamen über 5,5 Millionen Views, von denen PewDiePie allein 3,7 Millionen beisteuerte.

PewDiePie und Warner Bros. sind kein Einzelfall. Bereits 2014 wurden einige Fälle von bezahlten Youtube-Stars bekannt, wobei dort aber nicht klar ist, ob die Youtuber auf die Zahlungen hingewiesen haben. Und erst vor wenigen Tagen wurden zwei bekannte Namen aus der Counter-Strike-Szene bekannt, die auf ähnlich dubiose Weise Geld verdienen.

Der Verdacht ist nicht neu: Blogger und Youtuber bekommen von Unternehmen großzügig Testgeräte als Dauerleihgaben und kostenlose Zugänge für eigentlich kostenpflichtige Online-Angebote sowie Spiele vorab zur Verfügung gestellt, wenn sie im Gegenzug wohlwollend über die Produkte und Hersteller berichten. Auch Product Placement in Youtube-Sendungen ist nicht ungewöhnlich. Der Berichterstattung auf den Blogs und auf Youtube kennt man die „Großzügigkeit“ der Unternehmen aber oft nicht an, der Zuschauer wird darüber im Unklaren gelassen. Das oft unkritische, meist jüngere Publikum nimmt die Urteile der Youtube-Stars oft für bare Münze. Nur beweisen lassen sich die „gekauften“ Gefälligkeitstests meist schlecht.

Update 14.07.2016:

Der YouTuber PewDiePie hat heute mit einem Video Stellung zu den Schleichwerbungsvorwürfen bezogen. PewDiePie ist sich keiner Schuld bewusst, da er eigenen Aussagen zufolge in der Beschreibung seines Gameplay-Videos zu Shadow of Mordor vom 4. September 2014 darauf hingewiesen habe, dass der Clip von Warner Bros. gesponsert wurde. Nach dem Klick auf "mehr anzeigen" in der Video-Beschreibung findet sich dort der Satz "This video was sponsored by Warner Brother".

Laut PewDiePie seien die gesponserten YouTuber 2014 von Warner Bros. nicht zu einem entsprechenden Hinweis gezwungen worden, er habe ihn aber dennoch eingebaut. Aus diesem Grund habe er im Gegensatz zu anderen YouTubern, die ebenfalls von Warner Bros. bezahlt wurden, nicht gegen FTC-Grundlagen verstoßen. Dennoch hätten es die Medien auf ihn abgesehen, was er eigenen Aussagen zufolge als "Bullshit" empfindet.

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