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Erhalten Google-Nutzer künftig mehr Freiheiten?

27.08.2008 | 13:13 Uhr |

Google überlegt offenbar, Nutzern mehr Einfluss auf die Qualität der Suchergebnisse zu geben. Sie sollen Suchresultate bewerten und kommentieren können.

Erste Tests mit den neuen Funktionen hat das Unternehmen bereits durchgeführt. Mit Pfeilbuttons neben den Links können User die Suchergebnisse in der Liste höher oder niedriger einstufen. Über den Kommentar-Button lassen sich Anmerkungen zu einem Suchresultat hinzufügen.

„Was wir uns davon erhoffen, können wir noch gar nicht genau sagen. Es interessiert uns einfach, wie die Funktion angenommen wird“, schreibt Google-Entwickler Ben Gomes im offiziellen Blog des Unternehmens. Auf einem Screenshot (siehe oben links) sind außerdem „X“-Schaltflächen neben den aufgeführten Links zu sehen, die damit offenbar aus der Liste gelöscht werden können. Auf diese Funktion ging Gomes aber nicht ein.

Sollten diese Features tatsächlich Google-Standard werden, wäre das ein beachtlicher Schritt für das Unternehmen, da Nutzer so direkt Einfluss auf die Ergebnisse der Suchmaschine nehmen könnten.

Wer einen Google-Account besitzt, kann seine Internetsuche bereits personalisieren. Mit „Web History“ kann Google bei angemeldeten Nutzern auf frühere Suchanfragen zurückgreifen und so die Suchergebnisse optimieren. Und mit dem Google-Dienst „Notebook“ können User in ihrem Account Webseiten-Links mit Lesezeichen und Anmerkungen versehen.

Die neuen Features wären jedoch nicht nur angemeldeten Google-Nutzern, sondern allen zugänglich. In ihrem Kern ähneln sie einem Testprojekt, das auf Google Labs beschrieben wird , aber ebenfalls die Anmeldung an einem Google-Account voraussetzt. Das Projekt wird derzeit nicht auf der Hauptforschungsseite aufgeführt und ist unter Umständen nur für ein paar Wochen verfügbar.

Dass sich Google zu sehr auf mathematische Algorithmen verlässt, wurde schon häufig bemängelt. Nutzer haben kaum die Möglichkeit, die Suchergebnisse zu bewerten und zu personalisieren. Durch die wachsende Popularität von Web-2.0-Diensten, bei denen Nutzer aktiv an der Gestaltung von Inhalten teilhaben, wurde die Kritik zunehmend lauter.

In den letzten Jahren versuchten deshalb einige Suchmaschinen, einen anderen Weg als Google zu gehen. Bei Jason Calacanis‘ Mahalo , Yahoos Bookmark-Seite Delicious oder Wikia Search von Jimmy Wales haben Anwender mehr Gestaltungsmöglichkeiten.

Bei Wikia Search kann beispielsweise jeder Nutzer unabhängig von einer Registrierung Suchresultate hinzufügen, löschen und bewerten. Auch den Titel oder die Beschreibung eines Ergebnislinks kann er ändern. Wie bei Wikis üblich, werden Änderungen sofort durchgeführt und müssen nicht erst einen langwierigen Freigabeprozess hinter sich bringen. Man verlässt sich darauf, dass sich die Community selbst reguliert und im Idealfall einen gemeinsamen Wissensschatz sammelt.

Google hat bislang noch keinen offiziellen Kommentar zu den neuen Funktionen abgegeben. Es ist deshalb unklar, ob die Nutzerbewertungen in das allgemeine Google-Ranking von Seiten einfließen würden. Auch ob die Anwender-Kommentare von jedem Google-Nutzer gelesen werden können, ist offen.

In dem Blogeintrag stellt Gomes einige andere Testprojekte von Google vor, die zum Teil aber rein kosmetischer Natur und wenig augenfällig sind, wie beispielsweise die Abstände zwischen den Ergebnislinks oder die Darstellung von Symbolen. Laut Gomes testet Google aber alle denkbaren Funktionen. Das Unternehmen kümmere sich selbst um kleinste Veränderungen, da auch diese große Wirkung haben können.

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