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Per Stromkabel surfen

28.12.2000 | 15:00 Uhr |

Der Schweizer Technologiekonzern Ascom ist dabei, die Steckdose neu zu erfinden: Strom ist Kommunikation, sagen sich die Berner, und haben die Technologie für den Daten-, Bilder- und Sprachaustausch über herkömmliche Stromleitungen entwickelt.

Der Schweizer Technologiekonzern Ascom ist dabei, die Steckdose neu zu erfinden: Strom ist Kommunikation, sagen sich die Berner, und haben die Technologie für den Daten-, Bilder- und Sprachaustausch über herkömmliche Stromleitungen entwickelt.

Das funktioniert ein bisschen wie das so genannte Babyphone, mit dem Eltern über die Steckdose Geräusche aus dem Kinderzimmer abhören können. Mit Hilfe der Powerline-Geräte kommt aus der Steckdose jedoch nicht nur das Babygeschrei aus dem Nachbarzimmer. Die Stromvernetzung wird mit der patentierten Schweizer Technologie zum Tor zur ganzen Welt - dank digitaler Nachrichtentechnik ohne die beim Babyphone üblichen Störungen.

Telefonieren, Faxen und Surfen im Internet durch die Steckdose wird möglich, ohne sich bei den Telekom-Firmen anzumelden. Dazu kommen Fernsteuerung von Haushaltsgeräten wie Heizungen, Licht- oder Alarmanlagen und Überwachungsmöglichkeiten wie mit dem alten Babyphone. Die Übertragung sei bis zu 20 mal schneller als bei einer ISDN-Leitung, meinte Ascom-Sprecher Andre Simmen.

Die Ascom ist nach eigenen Angaben auf dem Gebiet so weit wie kein anderer. Als erste wollen sie auf der Computermesse CeBIT in Hannover im nächsten Frühjahr ihre serienreifen Geräte vorstellen.

Insgesamt laufen weltweit 15 Feldversuche, darunter in Essen zusammen mit dem Stromlieferanten RWE. Dort sind rund 100 Ein- und Mehrfamilienhäuser und eine Schule mit dem Schweizer Equipment ausgestattet. "Deutschland ist eines der ersten Länder, in denen Powerline im großen Stil eingeführt wird", so Simmen.

Mit dem Powerline-System von Ascom können Energieversorger ihren Kunden in Zeiten fallender Strompreise ganz neue Leistungen bieten, meinte Simmen, das Online-Ablesen der Stromzähler und das Verschicken der Abrechnung per Mail inbegriffen. Über das Stromnetz wäre jeder permanent im Netz, ohne sich über die Telefonleitung immer wieder einwählen zu müssen. Bei Stromausfall wird es allerdings auch auf den Kommunikationskanälen still.

Besonders in Ländern, in denen es an stabilen und schnellen Telefonleitungen hapert, soll die neue Technologie nach den Vorstellungen der Schweizer die Internet-Nutzung vorantreiben. (PC-WELT, 28.12.2000, dpa/ mp)

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