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Unternehmen von Wissensverlust bedroht

31.10.2008 | 13:00 Uhr |

Nach der Finanzkrise droht vielen Unternehmen mit dem Ausscheiden älterer Mitarbeiter der Wissens- und Erfahrungsverlust einer ganzen Generation.

Diese Gefahr ist nicht unbegründet, da ein Großteil der Unternehmen, die derzeit noch Mitarbeiter der sogenannten Babyboomer-Generation beschäftigen, unzureichend auf die sich aus dem Ruhestand ergebenden Probleme vorbereitet ist. Zu diesem Ergebnis gelangt der Human-Ressource-Software und -Services-Anbieter NorthgateArinso in einer aktuellen Untersuchung. Laut den Fachleuten könnte dieser Umstand dazu führen, dass sich die Folgen der Finanzmarktkrise in den kommenden fünf bis zehn Jahren massiv ausweiten. "Auch ohne die Finanzkrise stehen die Unternehmen vor großen Herausforderungen. Ein Schritt in die richtige Richtung wäre, wenn die Betriebe die Älteren als Know-how-Träger anerkennen", sagt Heidemarie Hofmann vom Forschungsinstitut betriebliche Bildung im Gespräch mit pressetext.

Laut Hofmann sei es entscheidend, dass Unternehmen alle Mitarbeiter in punkto Gesundheit und Weiterbildung fördern und die Einstellung gegenüber der bisher geführten Personalpolitik grundlegend ändern. "Ein Kardinalfehler der vergangenen Jahre war, dass vor allem die Alten nicht als Potenzialträger wahrgenommen wurden. Schließlich stellen sie, sofern sie in Pension gehen, einen Verlust von geschäftskritischem Know-how dar", unterstreicht Hofmann weiter. Diese Einschätzung deckt sich mit den Ergebnissen von NorthgateArinso. Die Experten raten Unternehmen dazu, nicht nur sicherzustellen, dass das bestehende Wissen in der Organisation erhalten bleibt. Vielmehr sollten sie auch dafür sorgen, dass jüngere und neue Mitarbeiter von den gesammelten Erfahrungen und dem Fachwissen ihrer Vorgänger profitieren. Wichtig sei hierbei, dass der Wissenstransfer gewährleistet wird und laut Hofmann im Vorhinein bereits eine Bedarfsanalyse stattfindet. Nur so ließen sich die Kompetenzen der Mitarbeiter ermitteln.

Einig sind sich die Fachleute darüber, dass die Unternehmen bereits heute schon ihre eigenen Talentmanagement-Strategien entwickeln und umsetzen sollten. Andernfalls könnte sich der Know-how-Verlust langfristig auf die Wettbewerbsvorteile sowie die finanzielle Situation der Unternehmen auswirken. "Während sich Unternehmen mit der Internet-Generation intensiv auseinander gesetzt haben, tun sie wenig, das Wissen der Gründergeneration zu erhalten. Die unternehmerischen Fähigkeiten, Fachkenntnisse und Erfahrungen dieser Mitarbeiter müssen jetzt weiter gegeben werden, ehe es zu spät ist", so Steffen Lichtenberger, Managing Director NorthgateArinso Schweiz. Ähnlich sieht dies Hofmann, da sich Wissen nur dann übertragen lässt, wenn die Mitarbeiter in Workshops ein gemeinsames Problembewusstsein entwickeln. NorthgateArinso rät Unternehmen, strukturiert an die Problemlösung heranzugehen. In einem ersten Schritt sollten die Risiken abgeschätzt werden, die sich durch Pensionierungen ergeben.

Zentrale Fragen, die sich das Management stellen sollte, beziehen sich unter anderem darauf, wer wann das Unternehmen verlässt und in welchen Abteilungen Lücken entstehen. Zahlen verdeutlichen die Situation. Geht man davon aus, dass alle 63-Jährigen 2008 in Rente gehen, wären dies allein in der Schweiz fast 100.000 Menschen. In einem zweiten Schritt sollten die Unternehmen erfassen, welche Fachkompetenzen sie in den kommenden fünf bis zehn Jahren verlieren. Darauf aufbauend bietet sich laut den Experten von NorthgateArinso eine Prüfung an, inwieweit die Nachfolgeplanung des Unternehmens diese Verluste ausgleichen kann. "Die älteren Mitarbeiter stellen einen hohen Unternehmenswert dar, dem sich viele erst jetzt nach und nach bewusst werden", so Hofmann gegenüber pressetext. Wichtig sei hierbei vor allem, dass das Wissensmanagement als ganzheitlicher Ansatz implementiert wird. (pte)

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