10.04.2012, 09:55

Panagiotis Kolokythas

Patent-Krieg

Microsoft zahlt 1 Milliarde US-Dollar für AOL-Patente

Microsoft übernimmt 800 AOL-Patente ©istockphoto.com/hronos7

Microsoft zahlt für die Übernahme von über 800 Patenten etwa eine Milliarde US-Dollar an AOL. In bar. Wir beleuchten die Hintergründe zum kostspieligen Deal.
Das "Wettrüsten" mit Patenten der großen Unternehmen, die am Internet und auf dem mobilen Markt Geld verdienen wollen, geht in die nächste Runde. Microsoft übernimmt von AOL insgesamt über 800 Patente und zahlt dafür über 1 Milliarde US-Dollar in bar, was ungefähr einer Summe von 760 Millionen Euro entspricht. Hinzu kommen über 300 Patente von AOL, für Microsoft eine Lizenz erhält.
Im Gegenzug erhält AOL von Microsoft eine Lizenz für die 800 Patente, deren exklusive Nutzung Microsoft mit Zahlung der 1 Milliarde US-Dollar erwirbt. AOL hatte die Patente mehreren Unternehmen angeboten und Microsoft bot schließlich das meiste Geld dafür. Welche Patente Microsoft von AOL genau übernimmt, gab AOL aber nicht bekannt.
AOL war als Internet-Pionier eines der ersten großen Internet-Unternehmen, dass das damals noch junge Medium entscheidend vorantrieb und damit auch in dem Besitz vieler grundlegender Patente für Internet-Technologien sein dürfte. Diese Patente benötigt AOL aber schon lange nicht mehr, nachdem das Unternehmen sich nach einer Umstrukturierung vor einigen Jahren darauf konzentriert, als Content-Farm erfolgreich zu sein. Aus diesem Grund dürfte AOL die 1 Milliarde US-Dollar von Microsoft gut gebrauchen.
Microsoft gehört zu den Unternehmen, die die meisten Patente besitzen und jährlich auch immense Summen in die Forschung und Entwicklung steckt. Das Microsoft für "nur" 800 Patente rund 1 Milliarde US-Dollar an AOL zahlt, dürfte vor allem einer "FC-Bayern-Strategie" geschuldet sein, gemäß dem Motto: "Patente, die uns und nicht den anderen gehören, schwächen die anderen". Bei der von AOL veranstalteten Auktion dürften auch Google und Facebook mit geboten haben, so dass es Microsofts Ziel gewesen sein dürfte, die Konkurrenten nicht in den Besitz der AOL-Patente gelangen zu lassen.
In den letzten Wochen und Monaten haben die großen Unternehmen große Summen in derartige Patent-Portfolios gesteckt. Zwei Beispiele: Google investierte beispielsweise 12,5 Milliarden US-Dollar für die Übernahme des schwächelnden Handy-Herstellers Motorola, um an dessen immerhin 17.000 Technologie-Patente und 7.500 patentierte Anwendungen zu gelangen. Facebook gab Ende März den Erwerb von 750 Patenten von IBM bekannt.
Der Ansturm auf die Patente dient nicht nur dazu, die Konkurrenten mit Klagen zu überziehen, sondern vor allem auch dafür, um sich vor Klagen zu schützen beziehungsweise derartige Klagen möglichst schnell abwehren zu können.
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