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PCs auch im Kindergarten: Lernen ohne Frust und Zwang

Die Stühle vor den Monitoren sind ein bisschen zu groß für die Jungen und Mädchen des Kindergartens Entdeckerland aus Leipzig. Aber das stört die Fünf- und Sechsjährigen, die mit ihren Erzieherinnen einen Ausflug auf die Computerspielmesse "Games Convention" machen, überhaupt nicht.

Die Stühle vor den Monitoren sind ein bisschen zu groß für die Jungen und Mädchen des Kindergartens Entdeckerland aus Leipzig. Aber das stört die Fünf- und Sechsjährigen, die mit ihren Erzieherinnen einen Ausflug auf die Computerspielmesse " Games Convention " machen, überhaupt nicht. Begeistert lassen sie die kleinen Finger über die Computermaus fliegen und markieren so einzelne Punkte auf dem Bildschirm. Hinter ihnen stehen Studenten der Medienpädagogik der Universität Leipzig und geben den Kleinen Hilfe.

"Computer werden immer wichtiger und dürfen auch im Kindergarten kein Tabu mehr sein", sagt die Erzieherin Jacqueline Rößler. Noch sei ihre Einrichtung aber schlecht mit der modernen Technik ausgestattet. "Wir haben einen Computer, aber der ist so alt, dass ein Sprachförderprogramm nicht läuft." Gern habe der Kindergarten die Einladung auf die "GC family", dem Forum Medienkompetenz in der Familie, Lernsoftware und kindgerechte Medien, angenommen. Betreut wird der Familienbereich von Medienpädagogen der Universität Leipzig.

Für dringend geboten hält das Deutsche Kinderhilfswerk ein Umdenken in der Gesellschaft bei neuen Medien. Er wirbt auf der GC für den verstärkten Einsatz von Computern in Kindergarten und Schule. "Die kulturpessimistische Einstellung der erwachsenen Generation hier zu Lande, die einzig dem Buch die Fähigkeit von Wahrhaftigkeit zugesteht, könnte sich als Bumerang erweisen", sagt der Medienreferent des Vereins, Dirk Höschen. "Wenn wir nicht endlich beginnen, die praktischen Eigenschaften von Computern in der Erziehung zu nutzen, droht Deutschland diesbezüglich zu einem Entwicklungsland zu werden."

Gute Lernsoftware böten optimale Voraussetzungen für ein Lernen ohne Frust und Zwang. "Kein Erwachsener kann so viel Zeit und Geduld aufbringen wie ein Computer, kein Buch ist so flexibel, dass es sich den individuellen Bedürfnissen und Lernfortschritten von Kindern anpasst", erklärt Höschen.

Lehrer aus Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Bayern können sich den Besuch auf der "GC family" als Fortbildung anerkennen lassen. Mit dem Familienbereich sollen Vorurteile und Unsicherheiten bei Erwachsenen im Umgang mit Computern abgebaut werden.

Zahlreiche Verlage bieten auf der "GC family" massenweise Informationsmaterial zur Medienerziehung an. So zeigt Novitas die Software "Cracy Machine, mit der spielerisch physikalische Gesetze erlebt werden können. Der Oetinger-Verlag bietet CD-Roms zum Lernen von Lesen und Schreiben an.

"Ich will hier neue Anregungen gewinnen", sagt die Grundschullehrerin Liselotte Schneider. Sie ist an ihrer Schule in Halle, die gerade ein neues Computerkabinett bekommt, für neue Medien zuständig. Nach der Messe plant sie, bei einer Informationsveranstaltung Eltern ihrer Schüler über die neuen Medien zu informieren. "Mir ist wichtig, dass Eltern über Chancen und Risiken von Computern und Computerspielen Bescheid wissen." Nur so könnten diese gezielt auf den Medienkonsum ihrer Kinder einwirken. "Zu viel Computer ist nämlich auch nicht gut, das Buch darf nicht verloren gehen."

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