PC-WELT Test

Die Siedler - Aufstieg eines Königreichs

Montag den 08.10.2007 um 15:51 Uhr

von Panagiotis Kolokythas

Die Siedler wuseln wieder: Der sechste Teil der Siedler-Reihe ist mit dem Zusatz "Aufstieg eines Königreichs" erschienen. Eins vorweg: Siedler-Fans müssen sich an viele Neuerungen im Spielprinzip gewöhnen, denn im sechsten Teil wird mit vielen Traditionen gebrochen. Dennoch liefern die Entwickler von Blue Byte/Ubisoft endlich wieder ein Siedler-Spiel ab, das an die alten Tugenden der Serie anknüpft.

Die Kampagne des Spiels bringt den Spieler gleich ins Geschehen. In einem spannend erzählten Tutorial werden die neuen Elemente der Spielmechanik erläutert. Als kleines Manko bleibt, dass bei diesem Tutorial auch vieles verschwiegen wird, was man sich später dann selbst beibringen darf, indem man einfach das Geschehen auf dem Monitor betrachtet und 1 und 1 zusammenzählt.

Schon nach den ersten Spielminuten wird klar: Die Entwickler haben dieses Mal besonders Wert auf einsteigerfreundliches Spielvergnügen gelegt. Komplexe Wirtschaftsabläufe gehören der Vergangenheit an. Eine Produktionskette besteht nunmehr aus nur wenigen Schritten: Vom Jäger erlegtes Wild wird entweder sofort zu Fleisch oder Kleidung verarbeitet. Vorbei auch die Siedler-Zeiten, in denen die Güter von eigens dafür abgestellten Siedlern hin und her transportiert wurden. Im sechsten Teil übernehmen den Transport die produzierenden Siedler selbst. Ein weiteres Indiz für das Zurückschrauben der Komplexität: Gebäude werden nun in Sekundenschnelle errichtet, wenn die dafür notwendigen Ressourcen vorhanden sind. Das hat den Vorteil, dass bei einem Waren-Mangel sofort reagiert werden kann und nicht ewig darauf gewartet werden muss, bis das benötigte Gebäude errichtet ist. Jedes Gebäude kann per Mausklick aufgerüstet werden, so dass beispielsweise mehr Handwerker darin arbeiten.

Alle produzierten Güter landen generell zunächst im Lagerhaus, wo sie abgeholt werden müssen. Vorbei also die Zeiten, in denen man die miteinander verstrickten Produktionsgebäude nah beiander bauen musste. Das hat den Vorteil, dass man nun freier seine Stadt planen kann und nicht so schnell in Platznot gerät. Auf dem Marktplatz treffen sich die Siedler, um zu handeln oder sich zu amüsieren.

Die Anno-Reihe lässt grüßen: Die Siedler haben auch Bedürfnisse, die erfüllt werden muss. Das fängt bei der Nahrung an und steigert sich dann bis hin zu luxuriöseren Gütern. Auch Frauen haben eine Rolle im neuen Siedler-Spiel: Sie müssen zwar nicht arbeiten, sorgen aber allein durch ihre Anwesenheit dafür, dass die mit ihnen verheiratetenen Männer fleißiger Arbeiten und bei einem Waren-Mangel nicht sofort streiken, sondern diesen Mangel gelassener ertragen.

Bei jeder Mission darf man einen Helden auswählen. Mit der Zeit steigt die Anzahl der zur Auswahl stehenden Helden, die jeder für sich eine Spezialfähigkeit beherrscht, die das Siedler-Leben vereinfachen. Jeder Held besitzt einen Rang, der von dem Status der Stadt abhängt. Dieser hängt wiederum von den erfüllten Bedürfnissen der Siedler ab. Geben die sich zu Beginn noch mit Nahrung zufrieden, werden sie mit der Zeit immer anspruchsvoller, verlangen auch nach Kleidung, einer Kirche und Unterhaltung.

So friedlich es auch die meiste Zeit zugeht, ab und zu müssen auch die Waffen sprechen. Vor allem dann, wenn das eigene Territorium knapp wird und man zwangsweise neues Territorium militärisch erobern muss. Hier haben die Entwickler ebenfalls die Komplexität im Vergleich zu den Vorgängern gesenkt: Man kann nur mit Schwertkämpfern und Bogenschützen in den Kampf ziehen, unterstützt von Belagerungswaffen. Dementsprechend unspektakulär und manchmal sogar langweilig verlaufen die Kämpfe, bei denen die eher dumme Krieger-KI ihr übriges tut. Andererseits: Die Siedler sind ein Aufbaustrategiespiel und kein Echtzeitstrategiespiel.

Grafik

Optisch legt der sechste Siedler-Teil ordentlich zu und ist auch bunter, als der farblich eher trist gehaltene Vorgänger: Feinste, detailverliebte Grafik verwöhnt das Auge. Da ertappt man sich dabei, dass man einfach mal an das Geschehen nah heranzoomt, um beispielsweise dem lustigen Treiben rund um den Marktplatz zuzusehen. Oder dem Jäger beim Erlegen des Wilds oder dem Holzfäller bei der Arbeit zuzusehen. Sogar unterschiedliche Theaterstücke werden im Theater aufgeführt, sobald man es gebaut hat. Wer die Zeit hat, kann hier sogar den Schauspielern beim Proben zusehen. Insgesamt gibt es viel zu entdecken, wenn man sich die Zeit dafür nimmt. Per Mausklick kann man die Kamera direkt hinter den Rücken eines Siedlers befördern und ihm so noch besser bei seinem Treiben zuzusehen. Zusätzlich wird eingeblendet, was er gerade tut oder was ihm fehlt.

Die Karten sind teilweise außerordentlich groß und belohnen entdeckungsfreudige Spieler mit verborgenen Schätzen oder anderen Überraschungen.

Für optische Abwechslung sorgen auch die vier unterschiedlichen Klimazonen und deren Jahreszeiten. In südlichen Gefilden ist Wasser knapper und auch Holz seltener. In den verschneiten Gegenden kann man nur im Sommer in den Flüssen und Seen angeln, um an Fisch, sprich Nahrung, zu gelangen. Hier lohnt es sich auch mit anderen, neutralen Dörfern Handel zu betreiben.

Nicht nur in den Siedlungen herrscht pures Leben: Die Landschaften werden von allerlei Getier bevölkert. Die süß animierten Hasen sind natürlich völlig ungefährlich. Bedrohlicher sind da Bären und Wölfe, die auch Siedler angreifen, sobald die ihnen zu nahe kommen und daher schleunigst getötet werden sollten.

Montag den 08.10.2007 um 15:51 Uhr

von Panagiotis Kolokythas

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