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Minirevolution rüttelt Marktführer auf

05.04.2009 | 15:43 Uhr |

Der Markt für Netbooks wird trotz Wirtschaftskrise im laufenden Jahr um mindestens 65 Prozent wachsen. In den USA wird sich der Verkauf von internetoptimierten Miniaturlaptops laut Angaben des Marktforschungsinstituts Gartner http://www.gartner.com sogar verdoppeln, obwohl die PC-Absätze insgesamt um zwölf Prozent einbrechen. Bis auf Apple sind alle wichtigen PC-Hersteller weltweit im Marktsegment vertreten.

Zahlreiche europäische Mobilfunkbetreiber wie die Mobilkom Austria geben die Minilaptops sogar gratis an Vertragskunden ab. "Wir waren der erste Marktanbieter in Österreich und planen, unser Produktangebot infolge der starken Nachfrage zu erweitern", sagt Werner Reiter, Pressesprecher und Leiter External & Online PR der Mobilkom Austria, im Gespräch mit pressetext. Die Vorinstallation des Betriebssystems Windows XP und der Fixeinbau von HSPA-Modems sei für den großen Erfolg der Netbooks in Österreich entscheidend gewesen, so Reiter weiter.

Auch der amerikanische Markt wird von diesem Trend erfasst. Telefonkonzern AT&T hat erst gestern angekündigt, Netbooks künftig für weniger als 50 US-Dollar verkaufen zu wollen. Dies könnte die Speerspitze einer drastischen Entwicklung am PC-Markt sein, hin zu einer breiten Palette an kostengünstigen Geräten im Miniaturformat. Intel und Microsoft drohen, so die New York Times, als oligopolistische Marktführer an Einfluss zu verlieren. "Die Ära leistungsfähiger Internet-PCs, die für weniger als 100 US-Dollar zu haben sein werden, wird dieses Jahr eingeläutet", sagt Jen-Hsun Huang, CEO von Nvidia .

Die Entwicklung bei der Auslieferung von Betriebssystemen scheint hingegen kaum prognostizierbar. Linux verlor nach anfänglichen Vorteilen im Vorjahr gegenüber Marktführer Microsoft wieder deutlich. "Linux hat sich in Österreich als für die Anwender wenig vorteilhaft erwiesen", bestätigt die Mobilkom Austria. Die Vorherrschaft von Windows scheint jedoch nicht unantastbar. Einerseits drängen neue Anbieter wie Google mit Android auf den Markt. Andererseits werden Netbooks der neuesten Generation auch mit Chips von ARM ausgestattet sein. Diese aus der Mobiltelefontechnik stammenden Chips verbrauchen deutlich weniger Strom, ermöglichen aber den Betrieb von Windows und dazu komplementärer Software nicht.

Die Minigeräte wurden bis dato vornehmlich mit Atom-Chips von Intel ausgerüstet. Rechenleistung beanspruchende Applikationen liefen auch auf den für Internet- und Kommunikationsservices optimierten Geräten mit Intel-Chips nicht ohne Schwierigkeiten. Das Leistungsspektrum der Kompaktrechner werde ab 2009 jedenfalls deutlich breiter, was eine Kennzeichnung der Geräte hinsichtlich ihres genauen Leistungsumfanges notwendig mache, so Sean Maloney, Vertriebschef bei Intel. Eine deutliche Veränderung im Nachfrageverhalten hin zu billigen Netbooks wird den Margendruck auf alle Akteure in der Wertschöpfungskette jedenfalls deutlich erhöhen. (pte)

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