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P4: Eine glatte Enttäuschung

20.11.2000 | 16:19 Uhr |

Die langerwartete neue Pentiumgeneration von Intel hält längst nicht, was sie verspricht: Bei einem Vergleichstest mit dem Vorgängermodell Pentium III und dem AMD Athlon unterlag der Pentium IV deutlich.

Die so lange erwartete neue Pentiumgeneration von Intel hält längst nicht, was sie verspricht: Bei einem Vergleichstest der PCWorld mit dem Vorgängermodell Pentium III und dem AMD Athlon unterlag der Pentium 4 deutlich. Intel zufolge soll der neue Prozessor besonders 3D-Graphiken, Audio- und Videostreaming unterstützen.

Im Test konnte das neue Flaggschiff von Intel gerade noch mit seinem 1-Gigahertz-Vorgänger mithalten. Im Vergleich mit einem 1.2-GHz Athlon PC mit DDR-RAM (siehe Glossar) schnitt der Pentium 4 jedoch schlecht ab.

Der Pentium 4 wurde in drei verschiedenen Rechnern gestestet: Einem Dell Dimension 8100, einem Gateway Performance 1500, und in einem IBM NetVista A60I. Alle hatten 256 Megabyte RAM und Windows ME. Sowohl die P4-Systeme als auch der Athlon waren mindestens mit einer 31-Gigabyte-Festplatte und einer Grafikkarte, die auf der nVidia GeForce2 basiert, ausgerüstet.

Der 1,2-Gigahertz-Athlon, ein Micron Millennia Max XP, übertraf den P4-Gateway Performance 1500 um über zehn Prozent! Einer der 1-Gigahertz-P3-Rechner, der Gateway Performance 1000, schlug ebenfalls alle drei Pentium 4-PCs. Wenn auch nur um Nasenlänge.

Intel reagierte auf das Testergebnis ausweichend: Der P4 sei nicht für Standard-Officeanwendungen konzipiert worden. Allerdings könne man natürlich auch dort Verbesserungen erwarten.

Aber auch auf dem Multimediasektor, auf dem der P4 seine Stärken haben soll, konnte er nicht überzeugen. Ein 1,2 Gigahertz Athlon schlug den P4 beim Einsatz von MusicMatch JukeBox und Windows Media Encoder.

Entgegen Intels Ankündigung versagte der Pentium 4 auch beim Multitaskingtest: Kein Pentium 4 konnte einen Download, der zeitgleich mit einer MS Access-Ausführung lief, schneller als die Konkurrenten absolvieren.

Nur in einem Fall konnte der neue Intel Star überzeugen. Bei der Umwandlung einer avi-Datei in das wmv-Format mit dem Windows Media Encoder waren die P4-Rechner mindestens 14 Sekunden schneller als der 1,2-Gigahertz Athlon und 17 Sekunden schneller als der schnellste 1 Gigahertz P3. Die Pentium 4 schafften diesen Kraftakt zwischen 52 und 54 Sekunden. Klarer Preis-/Leistungssieger im gesamte Test wurde jedoch somit der AMD Athlon.

Die Performance des Pentium 4 steht und fällt offensichtlich damit, ob Anwendungen speziell für ihn geschrieben wurden. Denn bisherige Software unterstützt noch nicht die neuen Befehle des P4. Rund 60 Anwendungen würden Intel zufolge gerade für den P4 programmiert. Diese dürften mit dem neuen Intel-Chip deutlich schneller ablaufen als mit P3 oder AMD Athlon.

Ambitionierte Spielerfreaks, Freunde von Streaming-Webanwendungen und alle Multimediaprogrammierer werden vermutlich am meisten vom neuen P4 profitieren, wenn endlich genügend optimierte Anwendungen auf dem Markt sind.

Trotz des P4-Debakels stellt dieser PCWorld.com zufolge einen Meilenstein in der Prozessorentwicklung dar. Nun bleibt abzuwarten, wann die ersten P4-optimierten Programme erscheinen. (PC-WELT, 20.11.2000, hc)

Dell Dimension 8100: Erster Komplett-PC mit Pentium 4 im Test

Schwerer Start für P4? (PC-WELT Online, 20.11.2000)

AMD: Athlon besser als P4 (PC-WELT Online, 12.11.2000)

AMD / Intel: Gigahertz-Kampf (PC-WELT Online, 15.11.2000)

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