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P2P-Betreiber zu Geldbußen und Gefängnis verurteilt

09.09.2005 | 15:42 Uhr |

Die Betreiber einer Tauschbörse in Taiwan sind zu Geldbußen und Haftstrafen verurteilt worden. Das Urteil in diesem Fall ist das jüngste in einer Reihe, die alle als Sieg über Peer-to-Peer-Tauschbörsen gewertet werden können, und es deutet vieles darauf hin, dass die Kontrollen über die Aktivitäten von P2P-Börsen noch verschärft werden.

Nur wenige Monate nachdem die Betreiber einer Peer-to-Peer-Tauschbörse in Taiwan, Ezpeer.com, freigesprochen wurden, hat ein Gericht dort die Betreiber einer anderen Tauschbörse zu Geldbußen und Haftstrafen verurteilt.

Taiwans Taipei District Court verhängte Geldstrafen (in Höhe von bis zu 90.000 US-Dollar) gegen Kuro.com.tw und drei Mitglieder der Geschäftsführung. Zudem wurden sie zu Haftstrafen verurteilt. Das Gericht sah es nämlich als erwiesen an, dass die Betreiber Anwender dazu ermutigt hätten, Urheberrechte zu verletzen. Auf der Website der Firma war ein Button "Werde Mitglied" angebracht. Problematisch: Eine Zusatznotiz beim Button machte darauf aufmerksam, dass über "400.000 Musikstücke gegenwärtig getauscht" würden.

Hätte diese Werbung nicht dagestanden, wäre das Urteil ebenso ausgefallen wie für Ezpeer.com, die freigesprochen wurden, erklärte CT Lee, Anwalt der Firma Kuro. Deshalb wird die Firma vorausichtlich auch in Berufung gehen.

Vertreter der Musik- und Film-Industrie begrüßten das Urteil. "Diese Web-Seiten verstehen das Recht an geistigem Eigentum nicht. Sie helfen Kunden das Gesetz zu brechen“, so Robin Lee, Secretary General der International Federation of the Phonographic Industry (IFPI) in Taiwan auf einer Konferenz.

Welchen Einfluss das Urteil auf das Tagesgeschäft von Kuro.com.tw indes haben wird, ist nicht ganz klar. Die Betreiber versprachen, alles weiter laufen zu lassen. "Die Entscheidung ist ein großer Fehler. Ich garantiere, dass unser Dienst ohne Unterbrechung weiterlaufen wird", so James Chen, Chief Executive Officer von Kuro.com.tw.

Das Urteil in diesem Fall ist das jüngste in einer Reihe, die alle als Sieg über Peer-to-Peer-Tauschbörsen gewertet werden können, und es deutet vieles darauf hin, dass die Kontrollen über die Aktivitäten von P2P-Börsen noch verschärft werden. Früher in dieser Woche wurde Kazaa für illegal erklärt ( wir berichteten ) und im Juni verkündete der U.S. Supreme Court, dass Grokster Ltd. und Streamcast Networks Inc. für Urheberrechtsverletzungen durch Nutzer haftbar gemacht werden könnten.

Australisches Gericht: Kazaa ist illegal (PC-WELT Online, 05.09.2005)

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