256855

Produktion von Online-Werbung verlagert sich in Billigländer

27.05.2008 | 13:40 Uhr |

Das Thema Outsourcing erreicht nun auch die Online-Werbewelt. Zunehmend mehr große US-Agenturen lagern die Produktion von Kampagnen in Billigländer wie Bulgarien oder Costa Rica aus.

Die Kreativarbeit sowie alle wichtigen Entscheidungen liegen zwar weiterhin in den Händen der Werberiesen, die mit internationalen Konzernen wie General Motors oder Microsoft arbeiten. Die "grobe" Arbeit allerdings wird an kleinere ausländische Firmen weitergegeben. Dabei zahlen die Agenturen zwischen 20 und 50 Prozent weniger als dieselbe Arbeit beispielsweise innerhalb der USA kosten würde, berichtet das Wall Street Journal.

Zwischen den auftraggebenden Unternehmen und den Firmen im Ausland besteht zumeist überhaupt kein Kontakt. Ein Unternehmen, das von dem Outsourcing-Trend bereits profitiert hat, ist AvVenta Worldwide mit Sitz in Costa Rica. AvVenta zählt inzwischen 415 Angestellte und beschäftigt Leute rund um den Globus - unter anderem in Kiew und London. Die US-Online-Marketingfirma Digitas , inzwischen aufgekauft von der Publicis Gruppe, hat mittlerweile sogar ein Produktionsunternehmen ins Leben gerufen, das all ihre Outsourcing-Aktivitäten managt. Prodigious arbeitet unter anderem auch mit AvVenta sowie der bulgarischen Firma Stanga zusammen.

Viele Werbechefs in den USA sehen das Outsourcing als fundamentalen Schritt für den künftigen Erfolg. Noch machen die ausgelagerten Jobs nur einen kleinen Teil der gesamten digitalen Werbeproduktion aus, doch in Zukunft werde das Thema zunehmend an Bedeutung gewinnen, so die Stimmen aus der Branche. Das liegt unter anderem daran, dass immer mehr in Online-Werbung investiert und die Kampagnen im Internet gleichzeitig immer aufwendiger und kostenintensiver werden. In Deutschland sei der Trend zur Produktionsauslagerung bislang aber noch nicht wirklich spürbar. "Ich kann allerdings sagen, dass Agenturen im digitalen Bereich mit der Auftragsfülle fast überlastet sind", so Mirco Hecker, Sprecher beim Gesamtverband Kommunikationsagenturen (GWA), auf Nachfrage von pressetext.

Das Outsourcing bringt auch einige Schwierigkeiten mit sich. So erschwert die Entfernung zu den Firmen in den Billigländern auch die interne Kommunikation. Außerdem wurden bislang kreative Arbeit und Produktion meist unter einem Dach gemeinsam umgesetzt. Diese beiden Bereiche voneinander zu trennen, bedarf einer neuen Zugangsweise, die von den Agenturen erst gelernt werden muss. Die Auslagerungsfirmen ihrerseits wiederum dürften Schwierigkeiten damit haben, sich abseits der reinen Produktionsarbeit in der Werbewelt zu etablieren. (pte)

0 Kommentare zu diesem Artikel
256855