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Microsoft beerdigt Encarta-Enzyklopädie

31.03.2009 | 11:27 Uhr |

Microsoft zieht die Konsequenzen aus dem veränderten Rechercheverhalten der PC-Besitzer und stellt seine bekannte digitale Enzyklopädie Encarta endgültig ein.

Der Todeskampf von Encarta begann schon vor einiger Zeit. Denn Microsoft brachte bereits im letzten Jahr keine neuen Box-Versionen von Encarta mehr auf dem Markt. In Deutschland gab es bei Microsoft schon länger keinen Ansprechpartner mehr für Encarta, die Enzyklopädie wurde komplett von den USA aus vermarktet.

Am 31. Oktober 2009 nimmt Microsoft die MSN-Encarta-Websites nun offline, ausgenommen die japanische Seite, die bis zum 31. Dezember 2009 existieren soll. Außerdem stellt Microsoft den Box-Verkauf von Encarta im Juni 2009 ein (in früheren Zeiten erschien im Spätsommer immer das Update). Der technische Support stehe aber für drei Jahre zur Verfügung, wie Microsoft betont. Wer als MSN Encarta Premium-Abonnent bereits im Voraus bezahlt hat, bekommt den überschüssigen Betrag zurückerstattet. Weitere Details kann man hier nachlesen .

Microsoft gab als Begründung für diesen historischen Schritt an, dass sich das Benutzer- und Rechercheverhalten der Anwender verändert habe. Wikipedia wird zwar nicht ausdrücklich erwähnt, doch dürfte die kostenlose Online-Enzyklopädie durchaus ihren Beitrag zum Ende von Encarta geleistet haben.

In den Boomzeiten von Encarta verkaufte Microsoft die Enzyklopädie in verschiedenen Versionen (und immer wieder mal wechselnden Namen). Encarta 2006 Enzyklopädie Standard hieß die günstigste Ausgabe des Lexikons. Wer mehr Geld anlegen wollte, griff zur Encarta Enzyklopädie. Diese auch als Professional-Version bezeichnete Variante beinhaltete unter anderem die Videos des Discovery-Channels und bot mehr Artikel. Speziell für Kinder war bei allen Encarta-Versionen noch Encarta Kids enthalten. Mit Lernen und Wissen gab es zudem ein spezielle Encarta-Version für Schüler und Studenten. Sie war inhaltlich identisch mit der Professional, umfasste aber zusätzlich noch Hilfsmittel für die Schule.

Die vielfach ausgezeichnete Encarta-Enzyklopädie versuchte besonders durch multimediale Features wie Bilder, Videos, Animationen und Audiodateien sowie einem mitgelieferten Globus zu glänzen. Zudem gehörten Sprachlexika zur Ausstattung. Doch in Zeiten von Google Maps/Earth, Wikipedia, Internetsuche, Youtube und Flickr – allesamt kostenlos – konnte das kaum noch jemanden dazu bringen, für ein digitales Lexikon Geld auszugeben. Zumal es trotz der monatlich erscheinenden Online-Updates nicht so aktuell sein konnte wie Wikipedia und Konsorten.

Zuletzt verzichtete Microsoft auf eine Neuauflage der Box-Versionen und versuchte Encarta als Online-Lexikon im Rahmen von MSN voranzutreiben . Offensichtlich ohne Erfolg.

Übrigens: Der Brockhaus-Verlag hat seinen Brockhaus multimedial – das direkte Konkurrenzprodukt zu Encarta – auch nicht mehr weiter entwickelt, sondern nur noch die darin enthaltenen Artikel aktualisiert. Man darf also gespannt sein, ob und wie das Mannheimer Unternehmen seine digitale Lexikon-Variante weiterführt.

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