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Hacker-Angriff als Pornosperren-Protest

10.02.2010 | 15:45 Uhr |

Hacker der Aktivistengruppe "Anonymous" haben mit einer groß angelegten DDoS-Attacke (Distributed Denial of Service) eine Reihe australischer Regierungsseiten angegriffen.

Dabei wurde unter anderem die Seite des australischen Parlaments vorübergehend lahmgelegt. Hintergrund war der Protest gegen die Webfilter-Pläne der australischen Regierung.

Die Attacke unter dem Namen "Operation: Titstorm" ist somit das aktuellste Beispiel für politisch motivierten Hacktivismus, vor dessen Zunahme McAfee erst gestern gewarnt hat. Der als Antizensur-Aktion aufgezogene Angriff wurde indes nicht nur von Regierungsseite, sondern auch durch andere Zensurgegner scharf verurteilt.

Aktion erntet breite Ablehnung

Der auffällige Zensur-Protest hat für viel Kritik gesorgt. "DoS-Angriffe gegen Regierungsseiten sind absolut verantwortungslos und enthalten der Öffentlichkeit möglicherweise Dienste vor", hieß es seitens des australischen Kommunikationsministeriums gegenüber ZDNet Australia. Die Systems Administrators Guild of Australia (SAGE-AU) http://www.sage-au.org.au wiederum hat die Attacke mit dem Verweis darauf verurteilt, dass derartige Angriffe weniger die Regierungsstellen selbst als vielmehr die Systemadministratoren im Hintergrund treffen.

Die australische Bürgerrechtsbewegung Stop Internet Censorship http://www.stopinternetcensorship.org hat die Attacken als alarmierend bezeichnet. "Jegliche illegale Aktion dieser Art ist zu verurteilen", sagt ihr Mitgründer Nicholas Perkins. Er verweist darauf, dass legitime Aufklärung über die Schwächen des geplanten Filters wichtiger sei als Aktivismus, der negative Aufmerksamkeit erregt. "Eltern müssen sich im klaren darüber sein, dass kein Versuch ISP-seitiger Internet-Filter je so gut sein wird wie Filtertechnologien, die zuhause genutzt werden können", betont Perkins.

Kampf um Pornos

Im Rahmen der DDoS-Attacke wurde auch die Webseite des australischen Kommunikationsministers Stephen Conroy lahmgelegt. Er ist großer Verfechter der australischen Webfilter-Pläne. Verärgert hat die Hacktivisten das erwartete Ausmaß der Filterung.

Befürchtet wird, dass neben illegaler Kinderpornografie beispielsweise auch gewöhnliche pornografische Inhalte, die "kleinbrüstige" Frauen zeigen, generell auf den schwarzen Listen der australischen Zensoren landen werden. "Die australische Regierung wird lernen, dass sich keiner an unseren Pornos vergreift", zitiert der Sydney Morning Herald aus einer E-Mail der Gruppe Anonymous. Diese wurde international insbesondere durch Angriffe auf Scientology im Jahr 2008 bekannt.

(pte)

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