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Verbot von Online-Glücksspiel kostet US-Fiskus Milliarden

13.02.2008 | 13:29 Uhr |

Das US-Finanzamt würde in den nächsten zehn Jahren auf bis zu 33,9 Milliarden Dollar verzichten müssen, sollte Online-Gambling tatsächlich verboten werden.

"Im Internet geht der soziale Kontrolleffekt vollkommen verloren, der zumindest in Spielhallen gegenüber Jugendlichen noch vorhanden ist. Die Anonymität im Netz birgt natürlich große Gefahren", verteidigt Ilona Füchtenschnieder, Sprecherin des Fachverbands Glücksspielsucht, im Gespräch mit pressetext ein derartiges Verbot.

"Online-Glücksspiel ist in Deutschland grundsätzlich verboten. Anbieter sehen aber enorme Geschäftsmöglichkeiten und lassen nichts unversucht, diese zu nutzen", heißt es von der Expertin. Ein besonderes Problem dürften Pokerplattformen im Internet darstellen. "Teilweise kooperieren diese mit zugelassenen Casinos, wodurch sie den Anschein nach Legalität erhalten", verweist Füchtenschnieder auf bestehende Gesetzeslücken.

Eine zusätzliche Genehmigung von Sportwetten würde der US-Finanz insgesamt sogar knapp 43 Mrd. Dollar bringen. Dieses Ergebnis errechnet das Unternehmensberatungs- und Wirtschaftsprüfungsinstitut Price Waterhouse Coopers anhand zwei verschiedener Basisansätze. Eine Lizenzierung, Regulierung und Versteuerung von Online-Gambling nur in jenen US-Bundesstaaten, in denen derzeit auch herkömmliche Casinos zugelassen sind, würde Mehreinnahmen von immerhin 17,6 Mrd. Dollar bedeuten.

In zehn verschiedenen US-Staaten, darunter New York, Washington und New Jersey, ist Online-Glücksspiel unter Strafe verboten. Der Gesetzesentwurf HR2046 - der "Internet Gambling Regulation and Enforcement Act of 2007" - vorgelegt von dem Kongressabgeordneten Barney Frank, sieht eine regulierte Lizenzvergabe von Online-Casinos zumindest in jenen Staaten vor, in denen physische Casinos vorhanden sind. In dem zweiten Ansatz auf Basis eines Entwurfs (HR2607) vom Kongressabgeordneten Jim McDermott ist eine pauschalierte Besteuerung von zwei Prozent vorgesehen.

"Hierzulande sind die Einnahmen aus der Glücksspielsteuer ohnehin schon höher als zum Beispiel aus der Alkoholsteuer", betont Füchtenschnieder die Suchtgefahr. Die Schätzungen zur Anzahl von Spielsüchtigen in Deutschland würden variieren. "Wir gehen in der Altersgruppe der 18- bis 65-Jährigen von einer Suchtrate um 0,5 Prozent, also mindestens 250.000 Personen aus, vermutlich sind es aber wesentlich mehr. Die Dunkelziffer dürfte darüber hinaus noch bedeutend höher liegen", so Füchtenschnieder. (pte/cvi)

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