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Online-Spieler als "Goldesel"

28.12.2000 | 15:00 Uhr |

Immer mehr Spiele-Fans frönen ihrer Leidenschaft online und erweisen sich als treue "Goldesel" für die Spieleproduzenten. Nach einer neuen Studie werden 2001 mehr als 18 Millionen Internet-Surfer Online-Spiele nutzen und dafür 1,6 Milliarden Dollar ausgeben. Vom Kassenschlager Ultima Online wird Electronic Arts eine Version 2 mit noch mehr Interaktionsmöglichkeiten produzieren. Auch Sony will neue Produkte platzieren.

Immer mehr Spiele-Fans frönen ihrer Leidenschaft online. Nach einer Studie von "Forrester" werden 2001 mehr als 18 Millionen Internet-Surfer Online-Spiele spielen. Daraus ergeben sich Einkünfte von 1,6 Milliarden Dollar (rund 3,4 Milliarden Mark). Laut der Studie wird der Trend sich auch bis 2002 fortsetzen. Demnach werden dann rund ein Viertel aller Computer-Spiele Online-Spiele sein.

Auch die Spiele-Hersteller selbst sehen in Online-Spielen die Zukunft. Allerdings reagieren die Hersteller unterschiedlich auf diesen Trend. Sowohl Sony als auch Electronic Arts versuchen mit einem breitgefächertem Angebot die Spielefreunde auf ihre Webseite zu locken. Für komplexere Spiele werden monatliche Spielgebühren fällig.

Electronic Arts war auch die Firma, die beweisen konnte, das sich mit reinen Online-Spielen Geld verdienen lässt. So konnte das mittlerweile vier Jahre alte Spiel Ultima Online mehr als 200.000 Fans aus aller Welt begeistern und beschert dem Unternehmen somit monatlich gute Umsätze. Für 2001 ist auch der Nachfolger Ultima Online 2 geplant, der die Spieler mit schicker 3D-Grafik und noch mehr Interaktionsmöglichkeiten langfristig binden will.

Electronic Arts will auch 2001 auf Online-Spiele setzen und neben Ultima Online 2 auch andere attraktive Spiele für Online-Spieler anbieten. So ist der Online-Thriller "Majestic" ebenso geplant, wie auch eine Online-Variante des Spiele-Hits "The Sims". Noch 2001 will Electronic Arts auch die Sport-Spiele aus dem eigenen Haus für Online-Spieler attraktiver machen.

Sony will dagegen halten und hat schon seit einiger Zeit die Macher von Everquest unter Vertrag. Everquest erschien 1999 und wurde ein Hit unter den Online-Spielen. Mittlerweile hat Everquest 300.000 Spieler weltweit. Teilweise erzielen Charaktere und Gegenstände aus dem Spiel bei Online-Auktionen Höchstgebote von weit über 7000 Mark.

Dementsprechend begeistert zeigt daher auch Kelly Flock, Chefin der Online-Abteilung bei Sony. "Mit Everquest sind wir nahe dran, eine 'Killer'-Programm in so einem stark fragmentierten Markt etablieren zu können", so Flock.

Aber nicht alle Unternehmen wollen auf den Online-Spiele-Zug aufspringen. So zeigt sich der Hersteller Activision eher zurückhaltend. Bobby Kotick, Chef von Activision, erwartet den Durchbruch von Online-Spielen erst dann, wenn noch mehr Haushalte einen schnellen Internet-Zugang besitzen. "Wir erwarten den Durchbruch von Online-Spielen erst 2004", so Bobby Kotick.

Nach der Forrester-Studie sind Online-Spieler treue Zeitgenossen. Sie verbringen in ihrer Freizeit im Schnitt 20 bis 30 Stunden in der Woche zum Spielen ihres Online-Spiels. Monatlich zahlen sie dann rund 10 Dollar.

An dem bisher bewährten Zahlungsmodell "Pay to Play" wollen die Anbieter festhalten. Immerhin zahlen die Online-Spieler zunächst den Preis einer Vollversion um das Spiel ihrer Gunst zu erhalten und anschließend einen monatlichen Obolus, um es weiterspielen zu dürfen.

Der Begriff "Goldesel" für so ein Spiel liegt also nahe. Ab und zu veröffentlichen die Hersteller dann große Updates, die sich nochmals gut verkaufen lassen.

"Wir haben mit Ultima Online bewiesen, dass der Aufbau einer Community dazu führt, dass viele Spieler kommen, bleiben und dafür zahlen", so Stan McKee, bei Electronic Arts zuständig für Finanzen. (PC-WELT, 28.12.2000, pk)

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