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Online-Shops verstoßen zum Teil massiv gegen den Datenschutz

17.10.2002 | 12:22 Uhr |

Eine Untersuchung des Instituts für Interaktive Medien bezüglich der Einhaltung des Datenschutzes seitens deutscher Online-Shops kam zu einem fatalen Ergebnis: Die fünf umsatzstärksten Online-Shops in Deutschland verstoßen zum Teil massiv gegen den Datenschutz.

Im September 2002 untersuchte das Institut für Interaktive Medien (IAM) die fünf umsatzstärksten deutschen Online-Shops amazon.de, otto.de, bol.de, tchibo.de und quelle.de. Dabei wurde überprüft, ob die Online-Händler die gesetzlichen Vorgaben über den Fernabsatz, das Teledienstedatenschutzgesetz und das Teledienstegesetz in den jeweiligen Shops umsetzen. Das Ergebnis: Die fünf Online-Shops verstoßen zum Teil massiv gegen den Datenschutz.

So werden ohne Einwilligung des Kunden alle Informationen über das Kaufverhalten gesammelt, gespeichert und weiterverwendet. Das Institut sieht darin einen "Schritt auf dem Weg zum 'gläsernen Verbraucher' ".

Konkret nutzen die Angebote von amazon.de, bol.de und tchibo.de nach eigenen Angaben personenbezogene Daten, um das Kundenverhalten zu analysieren - ohne Einwilligung des Käufers. Doch genau dies schreibt das Gesetz laut IAM vor. Vorbildlich hingegen seien die Angebote von otto.de und quelle.de. "Diese Angebote verzichten auf die Erstellung von Nutzerprofilen, die Rückschlüsse auf das Kaufverhalten von Kunden ermöglichen", so IAM.

Der hanseatisch Datenschutzbeauftragte, Dr. Hans-Hermann Schrader, ist der Meinung: "Der gläserne Kunde wird immer mehr zur Realität. Denn niemand weiß, ob die Firmen die Kundenprofile weitergeben oder nicht."

Die Studie deckte noch einen zweiten Mangel auf. Bei allen fünf Angeboten sind die Hinweise zum Datenschutz nur schwer zu finden. Dazu der Leiter des Instituts für Interaktive Medien, Professor Dr. Mathias Groß: "Die Informationen zum Datenschutz sind für den Kunden schwer zu finden. Über seine Rechte wird er erst nach einem Labyrinth der Clicks informiert." Das Gesetz schreibe aber vor, dass die Hinweise deutlich erkennbar sind. Die komplette Untersuchung kann auf der Website des IAM eingesehen werden. Das Dokument liegt im PDF-Format vor.

Das Institut für Interaktive Medien an der Fachhochschule Nordostniedersachsen berät Firmen im Bereich E-Business und betreut Forschungsprojekte für bundesdeutsche Ministerien.

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