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Software-Agenten führen Verkaufsverhandlungen

08.08.2009 | 15:51 Uhr |

Der britische Online-Marktplatz Aroxo setzt auf künstliche Intelligenz, um Verkäufern und Kunden die bestmöglichen Handelsergebnisse zu bieten. Rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft sollen spezielle Software-Agenten für die User das Feilschen um den optimalen Preis für Waren und Dienstleistungen übernehmen.

"Die Agenten können sich anpassen und durch Verhandlungen lernen. Außerdem nutzen sie ein relativ intelligentes Set von Heuristiken, in denen eine recht elegante Art der Verhandlungsführung kodiert ist", sagt Nick Jennings, neu bestellter Chefwissenschaftler bei Aroxo , gegenüber pressetext. Der Informatikprofessor der University of Southampton arbeitet bereits zwei Jahrzehnte auf dem Gebiet derartiger Algorithmen, die damit praxisrelevant werden.

Aroxo zufolge gewinnt das Feilschen um Produktpreise derzeit immer mehr an Bedeutung. Kunden würden dabei in Ladengeschäften auf Online-Angebote verweisen und ein besseres Angebot erwarten. "Derzeit können Online-Händler damit nicht konkurrieren, da sie nicht mit Käufern verhandeln und somit einen Verkauf erzielen können", sagt Aroxo-Mitgründer Matt Rogers. Jennings bestätigt, dass eine persönliche Kommunikation für das Online-Feilschen nicht in Frage kommt. "Müsste man jede Verhandlung für jedes einzelne Produkt persönlich führen, wäre das ein Vollzeit-Job für ganze Heerscharen an Mitarbeitern", meint der Wissenschaftler. Genau deshalb sollen die von Jennings entwickelten Agenten Online-Verkäufern nun ermöglichen, derartige Verhandlungen automatisch in ihrem Sinne durchführen zu lassen.

"Der Verkäufer definiert die allgemeinen Parameter für seinen Handel und der Agent arbeitet die beste Art aus, die Ziele zu erreichen", beschreibt Jennings. Dabei steht eine hohe Flexibilität entsprechend den Bedürfnissen verschiedener Verkäufer im Vordergrund. "Ein Anbieter, der das Verkaufsvolumen maximieren will, wird beispielsweise günstigere Preise akzeptieren als einer, dem es um hohe Qualität und Marken-Prestige geht", meint der Wissenschaftler. Auch könnten die Software-Agenten je nach Datum oder Uhrzeit zu unterschiedlichen Zugeständnissen an Käufer bereit sein und bei den Preisen, die feilschenden Kunden abverlangt werden, den aktuellen Lagerstand und vorgegebene Verkaufsziele berücksichtigen.

"Ich habe seit langem gesagt, dass Software-Agenten eine echte Rolle in unserem Leben spielen werden und nun wird das Realität", freut sich Jennings, der nach eigenen Angaben seit rund 20 Jahren theoretisch an entsprechenden Algorithmen arbeitet. Das automatisierte Feilschen soll laut Aroxo letztendlich auch dazu führen, dass Käufer durch den automatisierten Kontakt zu den jeweils passendsten Anbietern die für sie besten Deals herausschlagen können. Profitieren werden davon vorerst aber nur britische Nutzer. Von internationalen Expansions- oder Kooperationsplänen der Aroxo-Unternehmensführung sei ihm derzeit nichts bekannt, so Jennings. (pte)

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