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Online-Auktion im Web verbindlich

14.12.2000 | 16:55 Uhr |

Vor mehreren Monaten hatte ein Kunde eines Online-Auktionshauses Glück: Er konnte einen Neuwagen für die Hälfte des Listenpreises ersteigern. Doch der Händler wollte nicht liefern. Jetzt hat ein Gericht den Streit beendet. Der Käufer bekam Recht. Das Urteil kann weit reichende Folgen haben.

Das Oberlandesgericht (OLG) in Hamm (NRW) hat am Donnerstag einen umstrittenen Autokauf per Internetauktion für rechtsverbindlich erklärt (Aktenzeichen: 2 U 58/00). Damit hat ein Autokäufer sein Verfahren gewonnen, der einen Neuwagen so zusagen per Mausklick erworben hatte.

Das Auto war bei einer Internet-Versteigerung des Auktionshauses ricardo.de zum Höchstgebot von 26.350 Mark unter den Hammer gekommen. Der Listenpreis lag mit 57.000 Mark mehr als doppelt so hoch. Deshalb hatte sich der Händler geweigert, den Wagen herauszugeben. In der mündlichen Verhandlung hatte das OLG den gegnerischen Parteien Anfang November vergeblich einen Vergleich vorgeschlagen.

Mit ihrem Urteil hob das OLG die erstinstanzliche Entscheidung des Landgerichts Münster auf. Mit dem "virtuellen" Vertrag hätten beide Parteien die Bedingungen des Versteigerungshauses anerkannt, meinte das OLG. Deshalb könne der Händler, ein Betriebswirtschaftsstudent aus Münster, im Falle eines Urteils verpflichtet werden, das Auto zu dem vereinbarten Preis zu veräußern.

Das Landgericht Münster hatte dagegen dem Händler Recht gegeben und argumentiert, eine Auktion im Internet unterliege wegen ihrer zeitlichen Begrenzung nicht den üblichen Auktionsbestimmungen. Das OLG vertrat indessen die Ansicht, der Anbieter hätte sich mit den im Internet zur Verfügung stehenden Mitteln gegen einen möglichen Verlust schützen können.

Der Händler räumte vor Gericht ein, sich nicht genau mit den Einzelheiten von Internet-Auktionen vertraut gemacht zu haben. "Ich wollte den Wagen so schnell wie möglich loswerden", meinte der Händler. So habe er als Startpreis für das Auto, das er nach eigenem Bekunden für rund 40.000 Mark im europäischen Ausland gekauft hatte, lediglich zehn Mark angegeben, anstatt ein angemessenes Mindestgebot zu verlangen. Auch die Schrittweiten der Gebote legte er auf nur 50 Mark fest. Das Höchstgebot war dann innerhalb von sechs Tagen nach insgesamt 963 Geboten zu Stande gekommen.

Wegen der grundsätzlichen Bedeutung des Urteils ließ der OLG-Senat

Revision zum Bundesgerichtshof (BGH) zu. (PC-WELT, 14.12.2000, dpa/ mp)

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