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19-Jähriger mischt Internet-News-Branche auf

19.07.2009 | 15:38 Uhr |

Der Siegeszug des Internets und die Entwicklung moderner Kommunikationstechnologien hat das Nachrichtenwesen grundlegend verändert. Dass die neuen Gegebenheiten nicht nur neue Herausforderungen für die Medienhäuser mit sich gebracht haben, sondern auch neue Chancen, zeigt das Beispiel des niederländischen News-Portals Breaking News Online (BNO).

Die Seite, die im September 2007 von dem damals erst 17-jährigen Michael van Poppel gegründet worden ist, hat sich in gerade einmal zwei Jahren zu einer der meistbeachtetsten Nachrichtendestinationen im Web entwickelt. Ausschlaggebend für die ungemein erfolgreiche Entwicklung der Plattform, die heute bereits ein ganzes Team von Redakteuren auf der ganzen Welt beschäftigt, ist dabei vor allem die Schnelligkeit, mit der BNO Nachrichten auf der eignen Homepage zusammenträgt und für die weitere Verbreitung verfügbar macht.

"Der Erfolg von BNO beruht auf der Fähigkeit, die wesentlichsten Nachrichten-Eilmeldungen schneller auf einem einzigen zentralen Ort zu sammeln und zur Verfügung zu stellen als jeder andere", stellt der US-News-Blogger Mike Bracco gegenüber der New York Times fest. Bracco könne bestätigen, dass die aktuellsten News-Berichte dort im Durchschnitt zehn bis 15 Minuten schneller als auf allen anderen Mainstream-Nachrichtenportalen oder Blogs auftauchen. Dieser Zeitvorsprung sei gerade im heutigen Nachrichtengeschäft ein entscheidender Erfolgsfaktor, betont Bracco. Denn wer es schaffe, die Konkurrenz derart abzuhängen, habe auch gleichzeitig höhere Chancen, Abnehmer für die eigenen Meldungen zu finden und von anderen verlinkt zu werden. "Aktualität ist natürlich ein ungemein wichtiger Aspekt in der internationalen Nachrichtenbranche. Schnelligkeit alleine ist aber sicher nicht alles, es muss klar sein, dass die entsprechenden Informationen ausreichend journalistisch überprüft worden sind", gibt Hendrik Zörner, Pressesprecher des Deutschen Journalistenverbandes ( DJV ), gegenüber pressetext zu bedenken.

Dem DJV-Sprecher zufolge sei in letzter Zeit eine Vielzahl von Nachrichtenportalen im Internet ins Leben gerufen worden, die versuchen würden, mit den traditionellen Medien- und Agenturhäusern zu konkurrieren. "Das Hauptproblem hierbei ist, dass es bislang noch keine brauchbaren Geschäftsmodelle für den Nachrichtenbereich gibt, mit denen sich ein ausreichender Gewinn erzielen lässt. Die meisten dieser Angebote können zudem einer kritischen Überprüfung nicht standhalten", betont Zörner. Dass mit BNO ein gerade einmal 19-Jähriger die News-Branche derart aufmischt, sei auch Ausdruck der großen Affinität zu Medienberufen bei Jugendlichen. "Es ist sehr zu begrüßen, wenn junge Leute neue Ideen und Konzepte entwickeln. Ich gehe davon aus, dass in dieser Hinsicht künftig noch viele frische Impulse zu erwarten sind", meint Zörner.

Für Aufsehen sorgte BNO bereits wenige Monate nach seiner Gründung im Jahre 2007, als der Portalsgründer van Poppel überraschend in den Besitz einer Videobotschaft Osama Bin Ladens kam, dessen Existenz zu diesem Zeitpunkt nicht einmal den namhaften internationalen Nachrichtenagenturen bekannt gewesen war. Nachdem der BNO-Betreiber das brisante Material an Reuters verkauft hatte, ging es mit der Bekanntheit und dem Erfolg des Portals schlagartig bergauf. Heute beschäftigt BNO ein weltweites Redakteursteam und betreibt einen eigenen Twitter-Account, der rund viermal so viele Anhänger hat wie derjenige des bekannten US-Nachrichtensenders ABC News. (pte)

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