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Amazon startet MP3-Musikdienst in Großbritannien

05.12.2008 | 13:22 Uhr |

Der Online-Händler Amazon hat seinen Online-Musik-Shop Amazon MP3 nun auch nach Europa gebracht.

Über ein Jahr nach dem erfolgreichen Launch des Services in den USA kommen somit jetzt auch britische Musikfans in den Genuss, auf das Amazon -Angebot von mehr als 3,3 Mio. Songs zugreifen zu können. Für andere Anbieter wie Apple, das mit seinem iTunes Store derzeit den Marktführer stellt, bedeutet dieser Schritt eine weitere Verschärfung der Konkurrenzsituation am heiß umkämpften Markt für digitale Musikdownloads. Als wesentlicher Faktor dürfte sich vor allem der Umstand erweisen, dass Amazon im Rahmen seines Musik-Dienstes vollständig auf den umstrittenen DRM-Kopierschutz verzichtet und seine Titel ausschließlich im wesentlich anwenderfreundlicheren MP3-Format zur Verfügung stellt. Dieses ermöglicht es den Amazon-Kunden, die erworbenen Musikstücke beliebig oft zu kopieren und uneingeschränkt auf so gut wie allen portablen Playern zu nutzen.

"Der Start von Amazon MP3 in Großbritannien ist eine gute Neuigkeit für die Musikindustrie. Der Music-Service hat seit seinem Start in den USA im vergangenen Jahr viele neue Musikkonsumenten angezogen und dadurch entscheidend zum Wachstum des digitalen Marktes beigetragen", erklärt Ged Doherty, Vorsitzender von Sony BMG Music Entertainment in Großbritannien, gegenüber der BBC. Dass der Online-Händler im Rahmen seines Musik-Dienstes gänzlich auf den DRM-Kopierschutz verzichtet, sei sicherlich als Wettbewerbsvorteil gegenüber dem großen Konkurrenten iTunes zu sehen. Über den Apple-Service wird nach wie vor überwiegend DRM-geschützte Musik vertrieben. Einzig und allein das Major Label EMI hatte sich im April 2007 dazu bereit erklärt, auch im iTunes Store bei eigenem Songmaterial auf den Kopierschutz zu verzichten.

Das Thema DRM hat innerhalb der vergangenen Jahre bereits des Öfteren für hitzige Diskussionen in der Musikbranche gesorgt. Während von Seiten der Industrie vielfach damit argumentiert wird, dass der Kopierschutz als wirksames Mittel im Kampf gegen Online-Piraterie unbedingt nötig sei, sehen die User selbst darin vor allem eine Einschränkung der Verbraucherrechte. "Ich bin fest davon überzeugt, dass es über kurz oder lang keine DRM-geschützten Musikdownloads mehr geben wird", betont Timo Becker, Mitbegründer des Musik-Download- und Community-Portals djtunes.com . Auch der derzeitige Marktführer Apple habe bereits durchblicken lassen, dass man sehr daran interessiert sei, sich im Rahmen des iTunes-Angebots von DRM zu verabschieden. "Da mittlerweile die Forderung nach freien MP3-Downloads von Userseite zunehmend lauter wird und Konkurrenzanbieter diesbezüglich bereits reagiert haben, wäre dieser Schritt keine große Überraschung", meint Becker.

Amazon hatte bereits Ende Januar dieses Jahres angekündigt, mit seinem Musik-Dienst noch 2008 neben den USA auch in anderen Ländern starten zu wollen. Bill Carr, der zuständige Vice President für Digital Music bei Amazon, verwies dabei auf eine große weltweite Nachfrage nach dem MP3-Donwload-Service. Es seien tausende Mails aus aller Welt beim Online-Händler eingelangt, in denen sich User über den internationalen Start des Shops erkundigen wollten. Auch die deutschen Musikfans warten noch immer vergeblich darauf, dass sie das Amazon-Angebot nutzen können. Wer sich derzeit mit einem deutschen Account beim Musik-Dienst einloggen will, wird nur mit dem Hinweis abgespeist, dass der Download nicht möglich ist. Ob und wann Amazon MP3 auch in Deutschland verfügbar sein wird, konnten wir auf Nachfrage beim Unternehmen nicht in Erfahrung bringen. (pte/jp)

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