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Offshoring: IT-Tochter gründen oder auslagern?

21.05.2007 | 11:51 Uhr |

Beim Offshoring verfolgen große Anwenderunternehmen zwei Modelle. Beide haben ihre Vor- und Nachteile.

Um von niedrigen Lohnkosten etwa in Indien zu profitieren, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder der Anwender gründet eine IT-Tochter im jeweiligen Land, oder er lagert bestimmte Tätigkeiten an einen dort ansässigen Outsourcing-Anbieter aus.

Die Marktforscher von Forrester haben errechnet, dass die erste Variante teurer als die zweite ist: Wegen versteckter Kosten schlägt eine IT-GmbH im Ausland mit 4944 Dollar im Monat pro Mitarbeiter zu Buche. Bei der Beauftragung eines externen Anbieters hätte das Unternehmen nur 4231 Dollar pro Monat und Mitarbeiter zu zahlen. "Die als Cost-Center betriebenen IT-Töchter sind grundsätzlich weniger wettbewerbsfähig als ein externer Anbieter von IT-Dienstleistungen", fasst Sudin Apte, Senior Analyst bei Forrester in Indien, zusammen.

Vor allem die hohe Fluktuation macht den IT-GmbHs zu schaffen. Laut Forrester müssen Unternehmen, die sich im Ausland niederlassen, mehr Geld dafür ausgeben, gute Mitarbeiter zu finden und zu halten. Qualifizierte Fachkräfte bevorzugten eine Anstellung bei einem großen IT-Dienstleister, der ihnen mehr Perspektiven und die Arbeit für verschiedene Kunden ermögliche.

Allerdings kommt es auch auf die Größe der IT-Tochter an: "Nur wenn die Belegschaft 1000 Mitarbeiter unterschreitet, stehen die Kosten für Immobilien und Infrastruktur sowie andere Overhead-Ausgaben nicht mehr im Verhältnis zu den Einnahmen", meint Siddharth Pai, Partner der Outsourcing-Beratungsfirma TPI.

Auch die Art der Jobs spielt bei der Entscheidung für oder gegen eine eigne IT-GmbH im Niedriglohnland eine Rolle. Nach Ansicht von Rajiv Kapur, Indien-Chef des Halbleiterherstellers LSI Technologies, eignen sich anspruchsvolle Tätigkeiten nicht für das Auslagern an einen externen Anbieter. Es fehle den meisten Providern an dem jeweils erforderlichen fundierten Know-how. Zudem würde das Personal oft nur für eine kurze Zeit bei einer Firma eingesetzt und wechsle dann zu anderen Kunden. "Beim Outsourcing dürfen nicht nur die Kosten ausschlaggebend sein", so Kapur.

Firmen wie LSI investieren daher weiter in ihre eigenen Offshore-Standorte und bauen neue Entwicklungszentren in Indien auf. Auf der anderen Seite entscheiden sich viele Unternehmen, ihre ausländischen IT-Töchter wegen der hohen Kosten loszuwerden. Heute morgen erst meldete eine indische Zeitung, dass die Citigroup ihr BPO-Geschäft in Indien verkaufen will.

Oder aber die Anwender unterhalten IT-Töchter in Indien und lagern gleichzeitig bestimmte Bereiche aus. Laut Forrester verfolgen derzeit etwa 20 Prozent aller Firmen, die über eine IT-GmbH in Indien verfügen, diesen "hybriden" Ansatz. (sp)

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