04.04.2012, 14:16

Frank Ziemann

Offener Brief

Kritische Fragen zum Antivirus-Test der Stiftung Warentest

Stiftung Warentest nimmt Stellung

Mehrere Antivirushersteller haben in einem offenen Brief an die Stiftung Warentest deren aktuellen Antivirus-Test kritisiert. Die Testmethoden seien veraltet und intransparent. Die Warentester weisen die Kritik als unberechtigt zurück.
In der aktuellen Ausgabe 4/2012 ihrer Zeitschrift "test" hat die Stiftung Warentest einen Testbericht über Antivirus-Software veröffentlicht. Getestet wurden 14 Sicherheitspakete mit Desktop Firewall sowie vier kostenlose Antivirusprogramme. Der Test ist gemeinsam mit anderen Verbraucherschutzorganisationen durchgeführt worden, die in der ICRT (International Consumer Research & Testing) organisiert sind. Demnach schneidet G Data als beste Schutzlösung ab, Avira Free Antivirus bietet den besten Gratisschutz.
Mehrere Antivirushersteller haben jedoch scharfe Kritik an der Testmethodik geäußert. Sie haben einen offenen Brief an die Stiftung Warentest verfasst, den Vertreter der Hersteller Checkpoint, F-Secure, Ikarus, Kaspersky Lab, McAfee, Panda Security, Symantec und Trend Micro sowie der AV-Test GmbH unterzeichnet haben. Die Produkte dieser Hersteller haben im Test sehr unterschiedlich abgeschnitten, Ikarus war nicht im Test vertreten. Jedenfalls sind es nicht nur die Verlierer dieses Tests, die Kritik üben.
Kritisiert wird, dass die Testmethoden nicht offengelegt worden und somit nicht nachvollziehbar seien. Zudem entstehe der Eindruck, die Tests seien ohne Internet-Verbindung und nur mit inaktiven Malware-Dateien durchgeführt worden. Ferner sei unklar, ob und wie sichergestellt worden sei, dass die Dateien tatsächlich Malware enthielten. Auf Fehlalarme seien offenbar auch nicht geprüft worden. Tests auf virtuellen Maschinen seien außerdem unrealistisch, da sich moderne Schädlinge dort oft anders verhielten als auf realen Systemen.
Die Unterzeichner fordern die Stiftung Warentest zu einem offenen Dialog über zeitgemäße Testmethoden auf und verweisen dazu auch auf die Empfehlungen der AMTSO (Anti-Malware Testing Standards Organisation). Darin sind Antivirushersteller und Testinstitute wie AV-Test vertreten. Ferner fordern die Verfasser des Briefs eine Stellungnahme in der nächsten Ausgabe des test-Magazins.
Auf ihrer Website nimmt die Stiftung Warentest heute Stellung zu den geäußerten Kritikpunkten. Die Warentester weisen die Vorwürfe zurück und geben an, der Test sei Anwender-orientiert und mit den Hersteller-seitigen Voreinstellungen durchgeführt worden. Es sei sowohl offline als auch online, einschließlich Drive-by Downloads, geprüft worden. Alle Schutzmechanismen der Produkte wären somit aktiv gewesen. Man erwarte von einem guten Antivirusprogramm, dass es auch ohne Internet-Verbindung vor Infektionen schütze. Das Testverfahren sei den Herstellern vorab bekannt gewesen, da es in einem Fachbeirat diskutiert worden sei, zu dem Vertreter von Herstellern, Verbraucherschützer und unabhängige Sachverständige eingeladen worden seien.
Die Ergebnisse dieses Tests werden durch ICRT-Mitglieder auch international veröffentlicht. So sind sie bereits im März in Frankreich publiziert worden. Die Stiftung Warentest lädt für den 18. April zu einem Chat ein, bei dem es um Sicherheitsrisiken und Schutzprogramme gehen soll.
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