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United Internet will Google ausbremsen

22.09.2008 | 13:05 Uhr |

Das Unternehmen hat auf der OMD in Düsseldorf Maßnahmen angekündigt, um die Dominanz von Google im Online-Werbemarkt zu brechen.

Der Konzern, zu dem Firmen wie Web.de, GMX, AD Europe und 1&1 gehören, will sein Targeting-System dem Mitbewerb öffnen und eine gemeinsame Vermarkterplattform gegen das drohende Google-Monopol aufbauen. Zusammen mit der Konzern-Schwestergesellschaft Adlink Media erreicht United Internet bereits jetzt zwei Drittel aller Internetnutzer in Deutschland.

United Internet Medias Chef Matthias Ehrlich will mithilfe zielgruppenspezifischer Internetwerbung (Targeting) an die Spitze der deutschen Online-Vermarkter, erklärte er in Düsseldorf. "Der Premium-Markt ist das, wo wir hinkommen müssen. Wir wollen einen fair share in einem aufgeblasenen Markt, den Google überrannt hat." Bis Ende 2009 will Ehrlich fünf bis sechs weitere Partner für sein Ziel gewinnen, 75 Prozent der deutschen Internetnutzer zu erreichen. Dann wäre das Internet in punkto Reichweite auf Augenhöhe mit dem Fernsehen, sagte er.

Ehrlich erwartet eine Zweiteilung des Online-Werbemarktes in ein Premiumsegment mit Medienportalen und in ein Billigsegment, in dem Google den Ton angibt. Nach seinen Vorstellungen ist Umsatzwachstum in der Internet-Werbung derzeit jedoch in erster Linie dort möglich, wo man die User zielgruppenadäquat erreicht und damit Streuverluste vermeidet - über den Premiummarkt. Dort entsteht zwar deutlich mehr Kostenaufwand, aber auch mehr Wertschätzung, sagte Ehrlich.

Google wird nach Schätzungen von Experten monatlich von rund 27 Millionen Deutschen genutzt und beherrscht mit Suchmaschinenmarketing etwa 40 Prozent des deutschen Online-Werbemarktes. Google ist damit so groß wie alle Anbieter graphischer Werbung zusammen und erzielt mit "Keyword-Advertising" über eine Milliarde Euro Umsatz in Deutschland. United Internet Media erreicht mit Marken wie Web.de oder GMX fast ebenso viele Internetnutzer, erzielt jedoch weit weniger Umsatz.

Das Targeting-System von United Internet Media soll nun in eine eigenständige Gesellschaft ausgelagert werden, um am Markt unabhängig arbeiten zu können. Ehrlich sieht die Öffnung seines Werbesystems denn auch als strategischen Schritt, um Google zu bremsen. "Natürlich geben wir damit einen Wettbewerbsvorteil auf. Aber unser übergeordnetes Ziel ist die Schaffung eines stabil wachsenden hochwertigen Marktes." (pte/jp)

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