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Öl ins Wasser

24.09.2005 | 20:14 Uhr |

Ein Tropfen Flüssigkeit genügt, um komplizierte Kameraobjektive zu ersetzen. Das Vorbild für diese künftigen FLÜSSIGLINSEN: die Natur.

Ob nah, ob fern – das menschliche Auge stellt mit nur einer Linse scharf. Ihre Besonderheit: Sie ist extrem verformbar, während in Kameras starre Linsen äußerst präzise gegeneinander verschoben werden müssen, um denselben Effekt zu erreichen. Ein ähnliches System studiert Philips im Reagenzglas: Die Grenzfläche zwischen zwei sich nicht mischenden Flüssigkeiten wie Wasser und Silikonöl bricht das Licht, weil die Flüssigkeiten unterschiedliche optische Eigenschaften haben. Der Clou an der Öl-Wasser-Trennlinie: Die Grenzfläche verformt sich, wenn man elektrische Spannung anlegt. Ihre Gestalt reicht von völlig flach bis nahezu halbkugelförmig.

Unter Spannung linst das Wassertröpfchen

Die feuchten Minilinsen studiert man nicht auf einer planen Oberfläche, sondern in einem kleinen transparenten Kunststoffzylinder. Unten ist Wasser, darüber Silikonöl, dazwischen die verformbare Grenzschicht. Im Normalzustand versucht das Wasser, sich so weit wie möglich von der Seitenwand zu entfernen – die Grenzschicht ist nahezu halbkugelförmig. Unter elektrischer Spannung flacht die Halbkugel ab und beult sich schließlich sogar zur anderen Seite aus – das Öl ragt ins Wasser hinein. Die Flüssiglinse hat also einen immens großen Einstellbereich. „Fluid Focus“ nennt sich diese Technik und ist eine Anwendung des Electro-Wetting-Effekts , der beschreibt, warum Tröpfchen etwa auf dem Autolack abperlen, unter Spannung ihre Unterlage jedoch stärker (oder schwächer) benetzen. Der Flüssigtrick funktioniert allerdings nur bis etwa zum Schokolinsenformat. Die Spiegelreflexkamera mit Flüssiglinse bleibt also vorerst Wunschtraum.

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