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O2 senkt Preis für Car Connection - Auto-Überwachung per App

10.12.2014 | 16:21 Uhr |

O2 hat den Preis für O2 Car Connection gesenkt. Statt 149 Euro kostet die Konnektivitätslösung für Autos mit OBD2-Steckdose jetzt 99 Euro. Mit der Kombination aus OBD2-Modul und App sollen Autofahrer ihr Fahrzeug immer im Griff haben. Die Lösung wirft aber auch viele Datenschutz-Fragen auf.

O2 hatte Car Connection im September vorgestellt. Als “wegweisendes Digital-Produkt” und “für mehr Sicherheit, Effizienz und ein unkompliziertes Fahrerlebnis”. Wobei Sicherheit jedoch nichts mit der Unfallsicherheit zu tun hat – Autos mit Car Connection können sich gegenseitig nämlich nicht etwa vor Gefahren warnen wie zum Beispiel eine Unfallstelle hinter einer nicht einsehbaren Kurve. Sondern mit „Sicherheit“ sind Hinweise auf Einträge im Fehlerspeicher des zentralen Steuergeräts des Fahrzeugs gemeint.

Zum Start kostete das Paket aus OBD2-Steckmodul und App inklusive einjährigem Service 149 Euro. Nach Ablauf des ersten Jahres fallen weitere 5 Euro pro Monat an. Ein stolzer Preis. Der offensichtlich viel zu hoch gegriffen war. Denn O2 hat den Preis für Car Connection jetzt auf 99 Euro gesenkt. Offiziell zwar nur als zeitlich begrenztes Sonderangebot, aber das dürfte vermutlich zu einem dauerhaft gültigen Preis werden.

Pfiffiges IT- und Technikzubehör für Autos

O2 Car Connection: Hardware und Software

Das O2 Car Connection-Set besteht aus dem OBD2-Modul, App und Benutzerkonto. Auf die OBD2-Steckdose im Auto wird ein Funkdongle-Modul gesteckt, in dem sich auch ein GPS-Sensor und eine SIM-Karte befinden. Er sendet die erfassten OBD-Daten an die Server. Vom dort gehen die Daten an die Smartphone-App. Auf dem Smartphone muss also die O2 Car Connection-App installiert sein. Zudem muss der Benutzer ein Benutzerkonto angelegt haben und das Modul aktiviert haben.

O2 Car Connection: Leistungsumfang

Wenn alles funktioniert und das OBD2-Modul fleißig Daten an die O2-Server funkt, dann stellt O2 Car Connection diese Funktionen zur Verfügung:

Fahrzeugdiagnose

Das Tool liest nach dem Fahrzeugstart den Fehlerspeicher des PKWs aus und zeigt auf der App eventuell vorhandene Fehlercodes an. Außerdem gibt es Informationen wie beispielsweise den Ladestand der Batterie. Das alles sind typische Daten, wie man sie auch von Bordcomputern kennt.

Fahrstilanalyse

Der Nutzer bekommt eine Analyse seines Fahrstils. Dadurch soll er in die Lage versetzt werden Kraftstoff zu sparen. Ähnliche Analyse-Tools haben manche Automobil-Hersteller auch schon in ihre Bordcomputer integriert. Insbesondere bei Hybrid-Fahrzeugen ist das der Fall. Bei O2 Car Connection kommt aber noch der Community-Aspekt dazu: Man kann die eigenen Fahrwerte mit anderen O2-Car-Connection-Nutzern vergleichen. Und erfährt dann, wenn der Kollege mal wieder sehr flott Gas gegeben hat.

Fahrzeugfinder

Die App zeigt den Standort des geparkten Fahrzeugs an. Auch das gibt es schon als App.

Logbuch

Die Funktion eines Fahrtenbuchs. Durchaus interessant für Unternehmen oder Eltern, die die Nutzung des Familienwagens durch ihre Kinder kontrollieren wollen.

Einschätzung: Nette Spielerei mit vielen Fragezeichen

O2 Car Connection fällt ganz klar in die Rubrik Auto-Gadgets. Man braucht dieses Angebot ganz sicher nicht, um sparsam fahren zu können. Oder um Probleme am Motor rechtzeitig entdecken zu können. Sondern das Ganze richtet sich ganz offensichtlich an spielerisch veranlagte Autofahrer, die technisch nicht so sehr bewandert sind, um sich intensiver mit OBD-Fehlercodes auseinanderzusetzen oder sich einfach mal die Grundregeln des sparsamen Autofahrens einzuprägen. Sondern die einfach Spaß an Mobilfunk-Technik, Apps, Smartphone und am Community-Gedanken haben.

Echte Automobilisten und PS-Enthusiasten dürften mit der O2-Lösung kaum etwas anfangen können – die hängen sich ein Scangauge an die OBD-Dose oder besorgen sich gleich eine professionelle Auslesemöglichkeit wie VCDS für Volkwagen und Audi zum Beispiel.

Und wer besonderen Wert auf den Schutz seiner Daten legt, dürfte daran auch keinen Gefallen finden. Denn nur um den Fehlerspeicher und den Ladestand der Batterie im Auge zu behalten, muss man die Daten des eigenen Fahrzeugs nicht durchs Internet funken. Das geht auch mit komplett geschlossenen Systemen wie eben dem Scangauge.

Unter dem Aspekt Datenschutz muss festgehalten werden, dass O2 Car Connection ein genaues Fahr- und Bewegungsprofil erstellt, das fest mit der FIN, also der Fahrgestellnummer des PKWs, und mit dem Fahrer verbunden ist. Für Datenschutz-Interessierte ist das sicherlich keine besonders angenehme Vorstellung. Zumal diese Daten ja nicht einfach nur zwischen OBD2-Modul und Smartphone ausgetauscht werden, sondern auf den Servern von O2 landen.

Hart umkämpfter Markt

In jedem Fall ist O2 mit Car Connection in einen hart umkämpften Markt gestartet. Gerade Neuwagen aus dem gehobenen Preissegment haben viele dieser Funktionen bereits integriert, wie unsere Auto-Tests beweisen. Zudem konkurriert O2 hier mit Vodafone, Google und vielleicht auch mal mit Apple – und natürlich mit den Automobil-Herstellern.

Konkurrenzumfeld: Es geht deutlich preiswerter

Wer die ODB2-Daten samt Fehlercodes per Smartphone-App kontrollieren will, kann das bereits für rund 25 Euro machen. Soviel kostet die Kombination aus OBD2-Bluetooth-Adapter und App. Das lehrt ein Blick auf die entsprechenden Angebote im Web. Ein Beispiel dafür ist die Torque Pro-Lösung.

Wer absoluten Wert auf Datenschutz legt, hängt aber besser ein Scangauge an die OBD2-Dose. Das kostet immer noch weniger als die O2-Lösung und garantiert, dass die Fahrzeugdaten definitiv nicht das Fahrzeug verlassen.

Wer dagegen gerade die Online-Funktionalität und den Community-Gedanken schätzt, der hat demnächst eine direkte Alternative zu O2 Car Connection. Nämlich Vodafone Drivexone. Vodafone spricht von 79 Euro als Einmalzahlung zuzüglich 3 Euro pro Monat. Das wären 115 Euro für das erste Jahr. Sofern Vodafone nicht auf die Preissenkung von O2 reagiert und ebenfalls seinen Preis senkt.

Blick in die Zukunft

Stellt sich die Frage, was O2 und Vodafone langfristig mit diesen Angeboten planen? Richtig spannend sind die Daten für die KFZ-Versicherer, die damit neue Tarife auf der Basis des tatsächlichen Fahrverhaltens erstellen können. Die ersten Versicherer experimentieren bereits mit solchen verhaltensabhängigen Tarifen.

Positiv: O2 Car Connection könnte den Einstieg in die Car2Car-Kommunikation bedeuten. Damit würden zu einem späteren Zeitpunkt echte Sicherheitsaspekte möglich, sofern die Kommunikation funktioniert. Dann könnten sich Autos gegenseitig wirklich vor Gefahren warnen.

Rechtlich spannend: Was passiert mit den auf den O2-Servern und auf dem Smartphone gesammelten Fahrzeugdaten im Falle eines Unfalls? Darf die Polizei das Smartphone mit dem Fahrprofil zur Beweissicherung beschlagnahmen? Zumindest bei Straftaten und auf richterliche Anordnung ist das möglich. Und die auf dem Smartphone gespeicherten Fahrdaten können dann auch gegen den Fahrzeuglenker verwendet werden.

 


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