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Tegra-Chip neuer Atom-Rivale (Update: Galerie)

05.06.2008 | 12:59 Uhr |

Nvidia präsentiert mit dem Tegra einen hochintegrierten Chip, der Intels Atom-Plattform das Fürchten lernen soll: Laut Nvidia ist der "Computer auf einem Chip" zehn Mal so leistungsfähig wie der Atom und benötigt dafür nur ein Zehntel der Energie.

Nvidias Tegra ist ein hochkomplexer Chip, der zentrale Funktionen wie CPU, Grafikkern, Speicher, Bild- und HD-Video-Prozessor sowie wichtige Schnittstellen wie HDMI und USB auf einem einzigen Halbleiterbaustein vereint, der lediglich die Fläche von 144 Quadratmillimetern belegt. Dabei soll der Tegra-Chip unter einem Watt verbrauchen - allein Intels Atom-CPU konsumiert rund 2 Watt. Und im Gegensatz zu Intels Centino Atom ist der stärkste Tegra-Chip sogar in der Lage 1080p-Videos wiederzugeben.

Für den Tegra hat Nvidia eine illustre Allianz geschmiedet, die Intel und seinen Verbündeten das Wasser im boomenden Markt für kompakte Schnäppchen-Sub-Notebooks und Mobile Internet Devices (MID) abgraben soll. Der von Intel verspottete RISC-Prozessorhersteller Advanced RISC Machines (ARM), der vor allem in Smartphones dominiert, stellt mit dem ARM11 die CPU für Tegra, während Microsoft sein Betriebssystem Windows Mobile beisteuert. Von Nvidia selbst kommt der Geforce-Grafikkern sowie der Bild- und HD-Video-Prozessor.

Nvidia will den Tegra zunächst in drei Geschmacksrichtungen anbieten (siehe Tabelle unten): Die beiden Spitzenmodelle Tegra 600 und Tegra 650 sind für MIDs konzipiert und unterscheiden sich hauptsächlich beim Prozessor- und Speichertakt sowie der Leistungsfähigkeit des Grafikkerns. Beim Flaggschiff Tegra 650 arbeitet der ARM11-Prozessor mit 800 MHz und der DDR-Speicher mit 200 MHz. Der Geforce-Grafikkern bietet eine maximale Auflösung von 1680 x 1050 Bildpunkten und decodiert 1080p-Videos mit bis zu 24 Bildern pro Sekunde. Beim Nvidia Tegra 600 läuft die CPU mit 700 und der Speicher mit 166 MHz, während die Grafiklogik eine maximale Auflösung von 1280 x 1024 Bildpunkten erreicht und HD-Videos nur im 720p-Format mit 30 Bildern pro Sekunde decodieren kann.

Für preisgünstige Sub-Notebooks wie dem Eee PC von Asus ist der Nvidia Tegra APX 2500 gedacht. Hier arbeitet die Arm11-CPU nur mit 600 MHz, während der DDR-SDRAM-Arbeitsspeicher ebenfalls 166 MHz erreicht. Deutlich geringer ist hingegen die maximal mögliche Auflösung, die der Grafikkern darzustellen vermag. Sie liegt bei lediglich 854 x 458 Bildpunkten, dafür kann der HD-Video-Prozessor des Nvidia Tegra APX 2500 ebenso wie der Tegra 600 HD-Videos im 720p-Format mit 30 Bildern pro Sekunde decodieren.

Unseriöser Vergleich: Keine Frage, Nvidias Tegra ist nach unserer Einschätzung eine konkurrenzfähige Plattform, die Intels Centrino Atom durchaus das Wasser reichen kann. Wie gut Tegra wirklich ist, lässt sich allerdings erst nach Tests sagen, den Nvidia hat sowohl bei der Chipgröße als auch beim Stromverbrauch Äpfel mit Birnen verglichen. Um auf den griffigen Faktor 10 zu kommen, vergleicht Nvidia die Fläche des Tegra-Chips mit der Hauptplatine des Eee PCs von Asus. Letzterer setzt einen Desktop-Chipsatz und den Celeron M ein und nicht die eigentlich adressierte Konkurrenz: den Atom-Prozessor sowie den hoch integrierten Poulsbo-Chipsatz.

Ebenfalls clever gewählt war die Laufzeit eines fiktiven 1,4-Ampere-Akkus, die laut Präsentationsfolie einen ARM11 10,6 Tage mit Strom versorgt, während der Intels Atom Z500 schon nach 8 Stunden die Puste ausgeht – ganz so, als ob der Energieverbrauch des gesamten Systems mit Grafik, Speicher und Display bei der Akkulaufzeit überhaupt keine Rolle spielen würde. Und bei der im Anschluss live durchgeführten Messung verwendete das mit dem Tegra ausgestattete MID ein besonders stromsparendes OLED-Display, während das Atom-MID mit einem normalen LDC arbeitete.

Für Nvidias Tegra spricht immerhin eine halbwegs glaubwürdig durchgeführte Verbrauchsmessung: So benötigte der Tegra im Leerlauf nur 0,1 Watt und bei der Wiedergabe eines HD-Videos rund 3 Watt. Wenn auch nur ein Zehntel von dem stimmt, was Nvidia über den Tegra behauptet, scheint der "Computer auf einem Chip" recht sparsam mit Strom umzugehen.

Die ersten MIDs mit dem Tegra sollen laut Nvidia im dritten Quartal 2008 auf den Markt kommen. Interessierten Herstellern bietet Nvidia ein Hauptplatinen-Referenzdesign sowie ein Software-Paket an - die Kundschaft muss lediglich ein Gehäusedesign darum stricken. Nach Angaben von Nvidia sollen die Tegra-MIDs ab einem Straßenpreis von 500 Dollar erhältlich sein. Beim derzeitigen Wechselkurs wären das also umgerechnet rund 330 Euro – das klingt recht preisgünstig.

Die Tegra-Modelle

Tegra-Modell

Nvidia Tegra APX 2500

Nvidia Tegra 600

Nvidia Tegra 650

ARM11-Takt

600 MHz

700 MHz

800 MHz

Speichertakt

DDR-333

DDR-333

DDR-400

maximale Bildschirmauflösung

854 x 458 Pixel

1280 × 1024 Pixel

1680 × 1050 Pixel

Videoauflösung und Bildwiederholrate

720p, 30 Bilder/s

720p, 30 Bilder/s

1080p, 24 Bilder/s

Galerie

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