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Nutzen Terroristen Playstation und Xbox zur Planung?

17.11.2015 | 17:05 Uhr |

Nach der Festnahme von Terrorverdächtigen in Brüssel spricht alle Welt über die Sony Playstation als Kommunikationswerkzeug der Terroristen. Wieso könnten sich Terroristen der PS4 bedienen?

Bei den im Raum Brüssel festgenommenen Terrorverdächtigen stellten die Sicherheitskräfte eine Playstation 4 von Sony sicher. So lautete die Schlagzeile, die nach den jüngsten Verhaftungen um den Globus ging. Der belgische Innenminister Jan Jambon äußerte sich dann auch prompt in der Öffentlichkeit derart, dass Terroristen über die PlayStation 4 kommunizieren könnten. Und mit einem Schlag stand die bisher so harmlos erscheinende Spielekonsole als Werkzeug für Terroristen im Rampenlicht.
 
Mittlerweile scheint das nicht mehr sicher zu sein, die Sicherheitsbehörden äußern sich nicht explizit dazu, ob sie tatsächlich eine PS4 bei einem der Verdächtigen gefunden haben.
 
Darum nutzen Terroristen Spielekonsolen
 
Dass Terroristen sich der Möglichkeiten von Spielekonsolen und Online-Spielen bedienen, ist aber keineswegs abwegig. Denn über die Playstation können Terrorverdächtige auf vielerlei Weise kommunizieren: Über den PlayStation Network (PSN) Online Gaming Service, über Sprach-Chats und über Chats, die direkt in den einzelnen Spielen integriert sind. Diese Aussage gilt aber ebenso für die Xbox von Microsoft.
 
Natur der Sache: In vielen Spielen geht es um Gewalt, töten und Terrorismus
 
Gerade Actionspiele bieten die perfekte Tarnung für Terroristen. Denn keinem Überwachungsalgorithmus und keinem Geheimagenten fällt es auf, wenn in einem Spiel, in dem sich alles um Gewalt, Töten, Schießen und um Terrorakte dreht, auch über terroristische Aktivitäten gesprochen wird. Terror-typische Ausdrücke fallen also gar nicht auf. Kein Algorithmus kann das erfassen. Zumal die schiere Masse der Spieler eine Entdeckung fast unmöglich macht: Allein das Sony PSN hat rund 110 Millionen Nutzer, von denen 65 Millionen aktiv sind.
 
Zudem konzentrieren sich die Geheimdienste bei ihren Überwachungsaktivitäten bisher auf Mail, Telefonate, Skype und seit einiger Zeit auch auf Facebook und Twitter. Aber Spiele? Das ist für die Sicherheitsbehörden großenteils noch Neuland (Angela Merkel lässt grüßen), wenn wir auch durch Edward Snowden wissen, dass die NSA bereits vor einigen Jahren World of Warcraft unterwandern wollte, um dort Terroristen beim Pläne schmieden zu belauschen.
 
Terroristen können in Spielen nicht nur in der Masse der vielen Spieler und in der dort überall gegenwärtigen Gewalt untertauchen, sondern obendrein auch besonders clevere Methoden des Informationsaustausches nutzen. Zum Beispiel, indem sie wie in "Call of Duty" Botschaften an eine Wand schießen, die nach einer Weile wieder verschwinden.
 
Außerdem gibt es keine besonders verdächtigen Spiele, sprich: Kein typisches Terroristenspiel, auf das sich die Sicherheitsbehörden konzentrieren könnten. Die Sicherheitsdienste können auch kaum Profile von Spielern anlegen und auswerten.
 
Dass Spielekonsolen wie die Playstation und die Xbox für die Planung von Terroransschlägen durchaus benutzt werden, zeigt ein Beispiel aus Österreich: Im Mai 2015 nahm dort die Polizei einen 14 Jahre alten türkischstämmigen Jugendlicher fest, der Bombenbau-Anleitungen auf seine Playstation heruntergeladen hatte. Er hatte zudem Kontakt zu militanten Islamisten aus Syrien gesucht.
 
Und die viel gepriesene Vorratsdatenspeicherung? Die versagt bei der Überwachung von Spielen völlig. Die Geheimdienste müssen sich also neue Methoden einfallen lassen, um diesen Kommunikationsweg überwachen zu können.

Das sagt Sony
 
Sony hat sich nach einem Bereich der Spiele-Webseite Gamestar folgendermaßen zu den Vorwürfen geäußert: „Die PS4 erlaubt die Kommunikation zwischen Freunden und Mitspielern und - wie alle modernen Online-Geräte - hat auch sie das Potential, für andere Zwecke missbraucht zu werden. Wir nehmen die Verantwortung sehr ernst, unsere User zu beschützen und wir ermutigen jeden dazu, auffälliges, illegales oder anstößiges Verhalten sofort zu melden. Wenn wir so ein Verhalten feststellen oder dementsprechend darauf hingewiesen werden, unternehmen wir alle nötigen und erforderlichen Schritte in Absprache mit den zuständigen Behörden und werden dies auch weiterhin so handhaben.“ (Zitat nach Gamestar)
 
Vom Bereich Spiele einmal abgesehen stellen aber auch bestimmte Messenger ein Sicherheitsproblem dar. Apple iMessage verschlüsselt standardmäßig seine Nachrichten, Whatsapp verschlüsselt zumindest zwischen Android-Geräten. Das macht es den Sicherheitsbehörden nicht gerade leichter terroristische Aktivitäten aufzuspüren. Denn Terroristen lieben Messenger, unter anderem den Telegram Messenger.

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