14.09.2004, 16:12

Eric Bonner, Computerwoche

Novell wirft Microsoft Ausbeutung vor

Novell-Chef Jack Messman hat Microsoft scharf angegriffen - so hätten überhöhte Lizenzgebühren für Windows Unternehmen und unabhängige Softwareentwickler davon abgehalten, mehr Geld in innovative Projekt zu stecken.

Novell-Chef Jack Messman hat zur Eröffnung der diesjährigen Kundenveranstaltung Brainshare in Barcelona Microsoft scharf angegriffen."Ich bin der Meinung, dass sich die Innovationsgeschwindigkeit wegen Microsoft verlangsamt hat", warf er dem Konkurrenten vor, berichtet unsere Schwesterpublikation Computerwoche. Überhöhte Lizenzgebühren für Windows hätten Unternehmen und unabhängige Softwareentwickler davon abgehalten, mehr Geld in innovative Softwareprojekte zu stecken. "Microsoft hat 60 Milliarden Dollar aus der IT-Industrie gesaugt, die jetzt für Innovation fehlen."
Die Lösung für dieses Problem liefere die Open-Source-Bewegung, versprach Messman. Betriebssysteme für Client-Rechner und Server würden sich in Zukunft mehr und mehr zum frei verfügbaren IT-Grundstock entwickeln. Damit könne sich die Branche verstärkt der Weiterentwicklung auf der Applikationsebene widmen. Unternehmen werden nach Einschätzung des Novell-Chefs künftig weniger Geld für Betriebssysteme ausgeben und stattdessen mehr Aufwand für Innovation betreiben. "Es ist unsere Vision, eine Welt ohne Informationsgrenzen zu schaffen", beteuerte er.
Trotz des flammenden Plädoyers in Sachen Open Source wird der Softwareanbieter auch in Zukunft nicht an der Windows-Plattform vorbeikommen. Zwar versicherte Messman, auf der diesjährigen Brainshare laufe kein einziger Windows-Rechner. Allerdings musste der Linux-Verfechter im Nachsatz einräumen, dass derzeit keine großen Abwanderungen aus dem Windows-Lager zu erwarten seien.
Alan Nugent, Chief Technology Officer von Novell, beeilte sich zu versichern, dass der Softwareanbieter auch künftig die Microsoft-Plattformen bedienen werde. Bei einem Marktanteil von 94 Prozent wäre ein Abschied von Windows töricht: "Unser Bekenntnis zum Windows-Desktop besteht so lange, wie dies unsere Kunden wünschen."
In der Tat scheint sich auch Linux-Verfechter Novell schwer zu tun, gegen die Vorherrschaft Microsofts im Desktop-Bereich anzugehen. Die Vorstellung seines neuen Linux-Desktops für Unternehmens-PCs hat der Softwareanbieter, der mit den Übernahmen von Ximian und Suse auf den Open-Source-Kurs eingeschwenkt war, auf Ende des Jahres verschoben. Im Juni hatte das im US-amerikanischen Waltham, Massachusetts, ansässige Unternehmen noch einen Marktauftritt im Sommer 2004 in Aussicht gestellt. Die Verzögerungen lägen nicht am mangelnden Interesse, versicherte Nat Friedman, Vice President für den Bereich Forschung und Entwicklung bei Novell. Man benötige noch Zeit, um die Testphase abzuschließen und die Ergebnisse auszuwerten. Bislang wollte das Unternehmen noch keine Zwischenergebnisse des Testprogramms bekannt geben.
CEO Messman bemüht sich derweil, Optimismus zu verbreiten. Er gehe davon aus, dass sich Linux in Nischenmärkten schnell ausbreiten werde. "Es gibt nur wenige Kunden, die sich nicht mit Linux beschäftigen."
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