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Notbrems-Assistent verhindert Unfälle per Stereo-Kamera

05.05.2015 | 13:28 Uhr |

Notbrems-Assistenten retten Leben. Im neuen Land Rover Discovery Sport kommt nun erstmals ein Notbrems-Assistent zum Einsatz, der ausschließlich per Kamera funktioniert. Bosch produziert diese Lösung.

Notbremssysteme zählen zu den wichtigsten Assistenzsystemen im Auto. Laut Bosch könnten bis zu 72 Prozent aller Auffahrunfälle mit Personenschaden allein in Deutschland vermieden werden, wenn alle Fahrzeuge diese Funktion an Bord hätten.

Es gibt diese Notbrems-Assistenten in verschiedenen Ausführungen: Nur als City-Notbremsassistent oder auch als Notbremsassistent bei höheren Geschwindigkeiten. In der Regel verwenden diese Systeme bisher alle einen Radar, eventuell ergänzt durch Kamera-Daten. In dem von uns kürzlich getesteten Land Rover Discovery Sport kommt ein Kamera-basierter Notbremsassistent zum Einsatz, der von Bosch gebaut wird.

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Genau genommen handelt es sich um eine Stereo-Videokamera, die das Verkehrsgeschehen vor dem Land Rover erfasst. Das Besondere an dieser Konstruktion besteht laut Bosch darin, dass das Notbremssystem des Land Rover erstmals allein auf Basis von Kamera-Daten funktioniert. Denn üblicherweise wird dafür sonst ein Radarsensor oder die Kombination aus Radar- und Videosensor benötigt.

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Der Vorteil der reinen Kamera-Lösung sind die niedrigeren Kosten: „Die Stereo-Videokamera von Bosch macht als Einzel-Sensorlösung verschiedene Assistenzfunktionen für alle Fahrzeugklassen erschwinglich“, sagt Bosch-Geschäftsführer Dr. Dirk Hoheisel.

So funktioniert der Notbrems-Assistent von Bosch

Erkennt die Kamera in der Fahrspur voraus andere Fahrzeuge als Hindernis, bereitet das Notbremssystem eine Bremsung vor. Reagiert der Fahrer nicht, leitet das System eine Vollbremsung ein. Beim Euro-NCAP-Test wurde in den Kategorien Notbremsung im Stadt- und im Überlandverkehr (AEB city, AEB interurban) das System im Land Rover jeweils mit „gut“ bewertet. Um ab 2016 die Bestnote zu erreichen, schreibt Euro-NCAP in neuen Fahrzeugen einen vorausschauenden Fußgängerschutz vor, der ebenfalls mit der Stereo-Videokamera realisiert werden kann.

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Die Stereo-Kamera dient neben dem Notbrems-Assistenten auch noch für die Verkehrszeichenerkennung und für den Spurverlassenswarner, wie Sie in unserem Testbericht nachlesen können.

Der neue Notbrems-Assistenten verhindert Unfälle allein mit den Daten der Stereo-Kamera.
Vergrößern Der neue Notbrems-Assistenten verhindert Unfälle allein mit den Daten der Stereo-Kamera.
© Bosch

Die beiden Linsen und Bildsensoren (mit Farberkennung und CMOS-Technik, Auflösung 1280 x 960 Bildpunkte) der Stereo-Videokamera erfassen einen horizontalen Sichtbereich von 50 Grad und bieten eine 3D-Messreichweite von über 50 Metern, wie Bosch erklärt. Dank der räumlichen Erfassung lässt sich anhand der Videosignale zum Beispiel der Abstand zu vorausfahrenden Fahrzeugen berechnen. Außerdem kann die Kamera starke Kontraste verarbeiten.

Der Abstand zwischen den optischen Achsen der beiden Objektive beträgt zwölf Zentimeter. Laut Bosch ist dieses System das derzeit kleinste Stereokamerasystem für automobile Anwendungen. Das Steuergerät zur Funktionssteuerung und zur Bildverarbeitung ist in das Kameragehäuse integriert.

Die Bosch-Kamera erfüllt den Sicherheitsstandard ASIL-B gemäß ISO-Norm 26262, der für sicherheitsrelevante Notbremseingriffe relevant ist.

Übrigens: Ein anderes Leben rettendes System hat kürzlich seinen 20. Geburstag gefeiert: Das ESP.

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