2179792

Niedersachsen: Polizei-Razzien gegen Waffen- und Drogenhändler

29.02.2016 | 13:40 Uhr |

Walter White in der deutschen Provinz: Der Polizei gelang Europa-weit ein Schlag gegen Drogenhändler und –Produzenten, Waffenhändler und Anbieter von Internet-Kriminalität. Sie nutzten das Darknet für ihre kriminellen Machenschaften.

Das Darknet schützt die Privatsphäre seiner Nutzer und hält neugierige Schnüffler draußen. Wie so oft im Leben wird eine grundsätzlich sinnvolle Technik aber auch für verbrecherische Zwecke genutzt. Zum Beispiel für den Drogen- oder Waffenhandel. Und wohl auch zur Verbreitung von Falschgeld. Genau wegen dieser drei Straftatbestände – Drogenhandel (z.B. Heroin, Kokain, Cannabis, Amphetamine, Ecstasy), Waffenhandel und Falschgeldverbreitung – hat die Polizei mehrere Razzien in Deutschland und sechs weiteren Ländern durchgeführt.

Underground Economy im Visier

Die Polizei-Razzien richteten sich sowohl gegen die Betreiber illegaler deutschsprachiger Vertriebs-Plattformen im Darknet (Underground Economy, UE) als auch gegen deren Nutzer. Über diese Underground-Foren wurden aber auch gefälschte amtliche Ausweise (z.B. deutsche, niederländische und italienische Personaldokumente) und ausgespähte Daten (z.B. Kreditkarten- und  Online-Banking-Daten und „gehackte“ Zugänge zu verschiedenen Internetdiensten) verkauft. Obendrein boten Kriminelle ihre Dienstleistungen über diese Plattformen an: Beispielsweise die Infektion von Computern mit Schadsoftware oder DDoS-Attacken, Anleitungen zur Begehung von Straftaten („Tutorials“) und illegale Streaming-Dienste, wie das BKA erläutert.

Neun Verdächtige nahm die Polizei bei den Razzien fest. 69 Wohnungen und Firmenräume durchsuchten die Beamten, wie das BKA mitgeteilt hat : „Polizeibeamte des Bundeskriminalamtes von zwölf Bundesländern und ausländischer Partnerdienststellen in Bosnien-Herzegowina, der Schweiz, Frankreich, den Niederlanden, Litauen und Russland haben am 23.02. und 24.02.2016 insgesamt 69 Wohnungen und Firmenräume im In- und Ausland durchsucht und neun dringend Tatverdächtige festgenommen.“

In Deutschland konzentrierte sich der Einsatz vor allem auf Standorte in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Dem BKA zufolge ist „der mutmaßliche Hauptbetreiber von insgesamt drei UE-Foren ein 27-jähriger bosnischer Staatsangehöriger, der seit Oktober 2012 als Head-Administrator die Schlüsselrolle bei der technischen Verwaltung der Infrastruktur der UE-Foren (Server, Domainverwaltung, Anonymisierung) sowie der Aufrechterhaltung des Forenbetriebs eingenommen haben soll.“

„Zudem soll der Beschuldigte mehrere hundert illegale Geschäfte auf den von ihm betriebenen UE-Foren als sogenannter „Treuhänder“ abgesichert haben, indem er die Bezahlung an den jeweiligen Verkäufer überwies, nachdem der Käufer den Erhalt der Ware bestätigt hatte“, wie das BKA weiter ausführt. Der Beschuldigte wurde am 24.02.2016 in Bosnien-Herzegowina festgenommen und sitzt jetzt in Untersuchungshaft. Die deutsche Polizei nahm zudem zwei weitere mutmaßliche Administratoren von UE-Foren fest: Einen 21-jährige Deutschen aus dem Münsterland und einen 29-jährigen Deutschen aus Niedersachsen. Der 21-jährige Beschuldigte soll zudem eine illegale Streaming-Plattform betrieben haben. Beide sitzen in Untersuchungshaft.
 
Breaking Bad in Niedersachsen  
Weitere Festnahmen gab es in Niedersachsen, wo die Polizei einen Deutschen und zwei Syrer festnahm. Die drei Beschuldigten vertrieben nicht nur über das Darknet Kokain, Cannabis, Amphetamine und Ecstasy-Tabletten, sondern produzierten die Amphetamine sogar selbst. Die Polizei stellte unter anderem 36 kg Amphetamin, 1,5 kg Kokain, 2 kg Haschisch und 2,3 kg Ecstasy sicher. Deren Straßenverkaufswert beträgt dem BKA zufolge zirka eine Viertelmillion Euro. Die Polizei stellte dabei auch eine Schusswaffe und zwei Bitcoin-Tresore sicher.

Diese Meldung erscheint auf den abgeschalteten Seiten
Vergrößern Diese Meldung erscheint auf den abgeschalteten Seiten
© BKA

 
Das BKA ließ zudem mehrere Server in Frankreich, den Niederlanden, Litauen und Russland, auf denen kriminelle Online-Marktplätze betrieben wurden, beschlagnahmen. Auf diesen wurde das Sicherstellungs-Banner hochgeladen, das Sie hier sehen.

0 Kommentare zu diesem Artikel
2179792