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Motorolas Handysparte wird zum ernsten Problemfall

11.07.2008 | 12:09 Uhr |

Motorolas Handyproduktion geht es gar nicht gut. Innerhalb eines halben Jahres sank der geschätzte Börsenwert der Abteilung von 8 Milliarden US-Dollar auf 500 Millionen. Vielleicht muss der Konzern noch zuzahlen, um die Sparte überhaupt loszuwerden. Der Ausgründung in ein eigenes Unternehmen geben die Experten nur geringe Chancen.

Motorolas Handysparte verfällt in rasender Geschwindigkeit vom Marktführer zu einem Problemfall. Nicht einmal im Heimatland USA spielen die Mobiltelefone des einst mächtigsten Handyproduzenten noch eine große Rolle. Der Fall der Sparte spiegelt sich auch in ihrem Börsenwert. Gerade einmal 500 Millionen US-Dollar ist die Abteilung noch wert, zitiert die Wirtschaftszeitung Business Week den Branchenexperten Mark McKechnie vom Analystenhaus American Technology Research. Ein halbes Jahr zuvor schätzte er sie noch auf 8 Milliarden US-Dollar - ein Absturz um 94 Prozent.

Mit der Ausgliederung seiner Produktion von Mobiltelefonen hatte der Konzern auf Forderungen der Anleger reagiert, die seit Anfang des Jahres eine Neustrukturierung verlangen. Die Zerlegung des Konzerns soll bis 2009 abgeschlossen sein. Im vergangenen Jahr zog die Handysparte das Geschäftsergebnis in die roten Zahlen: Der Umsatz brach gegenüber dem Vorjahr um 6,225 auf 36,622 Milliarden US-Dollar ein, die Einnahmen im Handy-Segment gingen allein im 4. Quartal um 38 Prozent auf 4,8 Milliarden US-Dollar zurück.

Bis Ende März 2008 versuchte Motorola das Handygeschäft für rund 10 Milliarden US-Dollar zu verkaufen , fand jedoch keinen Interessenten. Daraufhin verkündete der Konzern, die Sparte in ein eigenständiges Unternehmen auszugliedern . Die Experten sehen aber auch diese Option kritisch, denn das Handygeschäft ist extrem abhängig von anderen Teilen des Konzerns. Die Chancen, allein zu überleben, seien äußerst gering.

Viel wahrscheinlicher sei der Verkauf der Abteilung zu einem deutlich geringeren Preis. Vielleicht muss Motorola auch draufzahlen, um seine Handysparte loszuwerden. Falls es jedoch so weit kommen sollte, ist das keine gute Ausgangsbasis für das weitere Überleben der Handyproduktion. Das zeigt das Beispiel Benq-Siemens. Siemens hatte im Juni 2005 seinen Mobilfunkbereich an den taiwanischen Elektronik-Konzern BenQ verschenkt. Nur eineinhalb Jahre später, genau am 1. Januar 2007 , war das neu gegründete Unternehmen BenQ-Siemens pleite, weil der taiwanische Mutterkonzern seine Zahlungen eingestellt hatte.

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