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New Economy sollte nicht überbewertet werden

28.01.2001 | 15:44 Uhr |

Vor einer Überbewertung der New Economy hat der Deutsche Industrie- und Handelstag (DIHT) gewarnt. Sie könne die traditionelle Industrie (Old Economy) in Deutschland nicht ersetzen.

Vor einer Überbewertung der New Economy hat der Deutsche Industrie- und Handelstag (DIHT) gewarnt. Sie könne die traditionelle Industrie (Old Economy) in Deutschland nicht ersetzen.

Die neuen Unternehmen aus der Informationstechnologie-Branche seien als reine Dienstleister von Aufträgen aus der Industrie abhängig, heißt es in einem Grundsatzpapier des DIHT über "Zukunftsperspektiven der deutschen Industrie", das in Bonn vorgelegt wurde. "Ohne Produktion gibt es auch keine Dienstleistung."

Die Bedeutung der Old Economy dürfe nicht unterschätzt werden, betonte DIHT-Vizepräsident Frank Niethammer. Es sei vorschnell und falsch, für sie das "Totenglöckchen" zu läuten.

Die Industrie bleibe trotz rückläufiger Zahlen von Unternehmen, bei Beschäftigung und dem Anteil an der Gesamtwertschöpfung mit ihrer ungebrochenen Leistungs-, Innovations- und Exportkraft die Basis für Wohlstand in Deutschland. Eine "technologische Renaissance" sei eingeleitet. Bei günstigen Rahmenbedingungen werde Deutschland auch künftig ein weltweit wichtiger Industriestandort bleiben.

Eine Unterscheidung oder die Konstruktion eines Gegensatzes zwischen Neuer und Alter Wirtschaft sei unsinnig und auch realitätsfern, so Niethammer. Diese Trennung sei vor allem auf eine kurzfristige Betrachtungsweise zurück zu führen, die auch an der Börse festzustellen sei.

"Investmentfonds werden heute von Leuten gemanagt, die noch nie ein Unternehmen von innen gesehen haben." Old wie auch New Economy seien beide "Seiten einer Medaille". Bei den neuen Technologien wie Internet handele es sich um "Querschnitts-Technologien", die für alle Unternehmen einsetzbar seien.

Die neuen Technologien führten auch in der Industrie zu weit reichenden Änderungen, erläuterte Niethammer. Ein Ende der industriellen Produktion sei nicht zu befürchten. Aktuelle Entwicklungen wie Outsourcing, Zukäufe oder Fusionen seien Ausdruck einer stärker marktorientierten und arbeitsteiligen Neustrukturierung der Wirtschaft.

Internet- und sonstige IT-Firmen hätten in den vergangenen Jahren zwar beachtliche Umsatzzuwächse, Gewinnsteigerungen, überdurchschnittliche Beschäftigungszahlen und Kursexplosionen verzeichnet, meinte Niethammer. Aber die jüngste Entwicklung habe hier die Dinge wieder zurecht gerückt.

Unstrittig sei, dass die Bedeutung des Dienstleistungssektors weiter steigen werde. Mit dieser Ausweitung werde aber keine Verdrängung der Industrie verbunden sein. "Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft können Industriegüter nicht durch Dienstleistungen substituieren." Vielmehr bestünden beide Sektoren künftig verflochten nebeneinander. Industrieunternehmen wandelten sich auch selbst zu Dienstleistern.

Als Hauptengpass zeichne sich zunehmend ein Fachkräftemangel ab, der vor allem auf mangelnde Anpassung des deutschen Bildungssystems zurück zu führen sei. (PC-WELT, 28.01.2001, dpa/ mp)

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