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Mehr IT beim TÜV: Haupt-Untersuchung für Autos ändert sich

18.09.2014 | 14:13 Uhr |

Autofahrer aufgepasst: Im Sommer 2015 ändert sich wieder einmal die Hauptuntersuchung (HU) für PKWs. Und zwar für die elektronischen Fahrzeugsysteme, die Bremsen und das Abgasverhalten. Wichtigster Helfer dabei ist der neue HU-Adapter.

Im Sommer 2015 ändert sich mal wieder der Umfang der Hauptuntersuchung (HU) für PKWs. Dann sollen TÜV, GTÜ, Küs, Dekra & Co. verstärkt die modernen elektronischen Sicherheits- und Assistenzsysteme überprüfen. Eigens dafür setzen die Überwachungsorganisationen ab Sommer 2015 den so genannten HU-Adapter ein.

Neu: HU-Adapter

„Der HU-Adapter wird die Prüfung von elektronischen Fahrzeugsystemen im Rahmen der Hauptuntersuchung in Zukunft effizient ergänzen“, so Dr. Gerd Neumann, Mitglied der Geschäftsführung der Dekra Automobil GmbH und zuständig für das Prüfwesen. „Zusätzlich zur konventionellen Prüfung können wir mit diesem System die Fahrzeugkommunikationsschnittstelle nutzen, um bestimmte elektronische Systeme auf ihren Zustand zu überprüfen.“

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Wenn der Adapter an die Fahrzeugschnittstelle angeschlossen ist, kann er laut Dekra abgleichen, ob die ab Werk eingebauten sicherheitsrelevanten Systeme und Funktionen noch unverändert vorhanden sind. Dazu kommuniziert der HU-Adapter mit den relevanten Steuergeräten im Fahrzeug. Der Funktionsumfang des HU-Adapters ist dabei genau auf den Prüfauftrag der HU ausgelegt. Anders als bei der Werkstatt-Diagnose geht es hier nicht darum, die Ursachen für einen Fehler zu finden, sondern ausschließlich darum, Mängel festzustellen oder auszuschließen.

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Da der HU-Adapter aber grundsätzlich mit den gleichen Dialogroutinen des Fahrzeug- oder Systemherstellers arbeitet wie die Diagnosegeräte des Kfz-Betriebs, kann die Werkstatt zur Vorbereitung auf die HU oder zur Reparatur alle Prüfungen des HU-Adapters nachvollziehen.

Testbetrieb läuft bereits

Derzeit läuft bei der Dekra ein Testbetrieb mit diesem HU-Adapter. Ab Mitte 2015 wird er dann bundesweit eingeführt, zunächst bei der Hauptuntersuchung an Pkw und leichten Nutzfahrzeugen. Später soll sein Einsatzgebiet auch auf schwere Lkw und Busse ausgeweitet werden.

Neuer Bremsentest mit HU-Adapter

Das ist aber nicht die einzige Neuerung: Auch die Bremsenprüfung und die Abgasuntersuchung werden teilweise neu geregelt. Auch hier kommt der neue HU-Adapter ab nächsten Sommer zum Einsatz. Aber nur bei neueren Fahrzeugen, die diese Technik ab Werk unterstützen.

Der Grund für die geänderte Bremsenprüfung: „Die bisherige Methode, die Bremswirkung aus der gemessenen maximalen Bremskraft und der zulässigen Gesamtmasse des Fahrzeugs zu berechnen, wird für moderne Fahrzeuge den Anforderungen der Fahrzeugtechnik nicht mehr gerecht“, so Neumann. „Künftig wird die Bremsenprüfung objektiver, indem der angewandte Bremsdruck mit der am Rad erreichten Bremskraft in Bezug gesetzt wird.“

Über den HU-Adapter kann der Prüfingenieur die Werte des Bremsdrucksensors im ESP-System auslesen. Die Software vergleicht dann diese Messwerte mit den vom Fahrzeughersteller für das jeweilige Modell vorgegebenen Sollwerten, den so genannten Bezugswerten, und zeigt dem Prüfer sofort an, ob der Pkw die Vorgaben erfüllt und damit die Prüfung bestanden hat.

Neue Abgasuntersuchung bei Euro-6-Fahrzeugen

Die Veränderungen bei der Abgasuntersuchung betreffen in erster Linie das Thema OBD. Die so genannte WWHOBD – also die weltweit standardisierte Kommunikationsschnittstelle – wird an den neuen Euro-VI-Nutzfahrzeugen bereits eingesetzt und erfordert deshalb bei der AU ebenfalls diese Technik. Der so genannte Geräteleitfaden, der vorgibt, wie der kontrollierte Prüfablauf aussieht, wird mit der neuen AU-Richtlinie aktualisiert und tritt – voraussichtlich im Juni 2015 – als „Geräteleitfaden 5“ in Kraft.

„Das hat unmittelbar zunächst nur Konsequenzen für die Abgasuntersuchung bei Pkw und Nutzfahrzeugen der neuesten Abgasstufe Euro 6“, so Dr. Gerd Neumann. „Sie muss zwingend nach dem Geräteleitfaden 5 abgenommen werden.“ Für Fahrzeuge bis einschließlich Abgasstufe Euro 5 kann der alte Geräteleitfaden 4 weiter verwendet werden, für Fahrzeuge mit Erstzulassung vor 2006 auch noch der Geräteleitfaden 3 – dies allerdings nur noch bis Ende 2017.

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