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Bluetooth-Geräte ermöglichen Reisezeitabschätzung

29.05.2008 | 13:05 Uhr |

Ingenieure der Purdue University und des Indiana Department of Transportation (INDOT) haben ein System entwickelt, um mithilfe der weit verbreiteten Bluetooth-Geräte Reisezeiten abzuschätzen.

Dabei wird ausgenutzt, dass jedes Bluetooth-Gerät eine eindeutige MAC-Adresse (Media Access Control) hat und aufgrund der MAC-Signale eines Geräts dessen Bewegung verfolgt werden kann. Die aktuelle Verkehrslage gibt dadurch Aufschluss über voraussichtliche Reisezeiten - eine Information, die auch direkt via Bluetooth abgerufen werden könnte. Auch für andere Anwendungen wie die langfristige Verkehrsplanung seien wertvolle Erkenntnisse zu gewinnen, so die Forscher.

Das System nutzt Detektoren an Verkehrsknotenpunkten, um die MAC-Signale von Bluetooth-Geräten aufzufangen und zu speichern. Gemeinsam mit den Beobachtungen der einzigartigen Geräte-ID an weiteren Beobachtungspunkten kann ausgewertet werden, wie schnell sich das Gerät respektive dessen Besitzer bewegt hat. Dafür, dass dem System genügend Messungen für eine zuverlässige Auswertung der Verkehrssituation und zur Abschätzung von Reisezeiten zur Verfügung stehen, setzen die Forscher auf die große Verbreitung von Bluetooth-Geräten. Drahtlose Kopfhörer für Handys können ebenso Daten liefern wie kabellose Tastaturen und generell Bluetooth-vernetzte mobile Geräte wie PDAs oder Laptops. Mit den portablen Geräten, die das System ermöglichen, könnten auch gleich die Informationen zu geschätzten Reisezeiten abgerufen werden, so die Idee.

Die Projektbeteiligen betonen, dass das System, das auf eine Idee des INDOT zurückgehe, sehr kostengünstig realisierbar sein dürfte. "Wir haben den Prototyp mit serienmäßiger Hardware entwickelt", gibt INDOT-Ingenieur Jason S. Wasson an. Bei einem Feldtest des Systems in der Umgebung von Indianapolis sind laut Forschern 1,2 Prozent des Verkehrs registriert worden. "Das ist wichtig, denn demnach haben wir im Prinzip jedes hundertste Fahrzeug verfolgt", erklärt Darcy Bullock, Professor für Bauingenieurwesen an der Purdue University . Damit sei die gewonnene Reisezeit-Information akkurat und aktuell. Eine verbesserte Antennenaufstellung dürfte aber noch bessere Ergebnisse liefern, so Bullock.

Der Ansatz könnte Daten über motorisierte Verkehrsteilnehmer ebenso liefern wie über Fußgänger. Als Beispiele werden der tägliche Pendlerverkehr und Warteschlangen etwa bei Flughafen-Sicherheitskontrollen genannt. "Das ist unglaublich wertvolle Information, die für viele Zwecke genutzt werden könnte", ist Bullock überzeugt. Neben der Echtzeitinformation für Reisende sei beispielsweise eine bessere Ampelsteuerung oder eine optimierte Planung von Baustellenzonen zum Erreichen einer geringeren Verkehrsbehinderung vorstellbar. "Das System liefert quantitatives 24-Stunden-Feedback über den Verkehrsfluss, eine Information, die wir für Design- und Betriebsentscheidungen nutzen können", bestätigt Wasson.

Eine Forschungsarbeit zum System wird in der Juni-Ausgabe des ITE Journal veröffentlicht. Dort gehen die Forscher nach eigenen Angaben auch auf Datenschutzfragen ein, was absolut notwendig erscheint. "Rein rechtlich wäre die Argumentation sicherlich, dass es sich bei der Geräte-ID nicht um ein personenbezogenes Datum handelt", meint dazu Frank Pallas vom Fachgebiet "Informatik und Gesellschaft" der TU Berlin zu pressetext. Wie auch bei RFID bestehe aber das Risiko, dass nachträglich eine Zuordnung zu einer Person erfolge. "Bluetooth-Geräte sind typischerweise 'Personal Devices' und man kann davon ausgehen, dass immer die selbe Person anwesend ist, wenn eine bestimmte Device-ID 'anwesend' ist", betont Pallas. (pte)

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