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Neues Fahrer-Assistenzsystem soll Fußgängerleben retten

13.10.2015 | 17:51 Uhr |

Bosch entwickelt für PKWs ein Notfall-System, das Fußgänger erkennt und dem Autofahrer beim Ausweichen und Bremsen helfen soll. Das Ganze ist ein Schritt Richtung hochautomatisiertes Fahren.

Fußgänger sind die schwächsten Verkehrsteilnehmer. 2014 sind Bosch zufolge auf deutschen Straßen 523 Passanten ums Leben gekommen. Das ist ein Anteil von 15,5 Prozent aller Verkehrstoten in Deutschland.
 
Bosch entwickelt als Reaktion auf diese Zahlen Fahrerassistenzsysteme, die Autofahrern bei einer drohenden Kollision mit Fußgängern sowohl beim Bremsen als auch beim Ausweichen helfen. Lässt sich ein Zusammenstoß mit einem plötzlich auftauchenden Passanten allein durch Bremsen nicht mehr verhindern, berechnet der Assistent eine Ausweichroute, wie Bosch verspricht. Wobei Bosch jedoch nicht erläutert, ob und welche ethischen Aspekte beim Berechnen der Ausweichroute berücksichtigt werden (Beispiel: Ein Kind läuft vor das Auto, dieses soll nun automatisch ausweichen, doch auf dem Bürgersteig neben dem Kind geht ein Rentner. Und auf der Gegenfahrbahn nähert sich ein anderes Auto im Gegenverkehr...).
 
Sobald der Autofahrer das lebensrettende Fahrmanöver startet, unterstützt ihn das System beim Lenken. „Reagiert der Fahrer mindestens eine halbe Sekunde vor der Kollision, kann das Assistenzsystem unseren Untersuchungen zufolge 60 Prozent der Zusammenstöße verhindern“, erklärt Projektleiter Dr. Lutz Bürkle von der zentralen Forschung und Vorausentwicklung. Bosch plant, das System 2018 in Serie zu bringen.

Video: BMW zeigt fahrerloses Auto

Zur Erprobung der Technik haben Bürkle und sein interdisziplinäres Team ein Forschungsfahrzeug aufgebaut. Zentraler Bestandteil ist die Stereo-Videokamera von Bosch, die auch bereits in Serienmodellen zum Einsatz kommt. Hinter der Frontscheibe im Bereich des Innenspiegels installiert, liefert die Kamera ein dreidimensionales Bild der Umgebung vor dem Auto und erkennt Fußgänger sowie den Gegenverkehr und Hindernisse auf der Fahrbahn.

Ein Computer im Kofferraum des Forschungsfahrzeugs wertet die Informationen aus. Taucht im Sichtfeld der Stereo-Videokamera ein Fußgänger auf, berechnet das System die Wahrscheinlichkeit einer Kollision sowie eine mögliche Ausweichroute. Das alles passiert blitzschnell – mehr als zehn Mal in der Sekunde. Die richtige Interpretation der Kamerabilder und der jeweiligen Fahrsituation ist dabei besonders anspruchsvoll. „Um die Ausweichroute möglichst exakt planen zu können, müssen wir zum Beispiel vorhersehen, wo der Fußgänger in einer Sekunde voraussichtlich sein wird“, erklärt Bürkle. Die Entwicklung der dafür benötigten Algorithmen ist ein Kernstück der Arbeit.

Mit ihrer Arbeit zur Analyse von Kamerabildern leisten die Bosch-Forscher auch einen Beitrag für die Entwicklung des automatisierten Fahrens. Ab 2020 sollen Autos mit dem Autobahnpiloten von Bosch beispielsweise hochautomatisiert über die Autobahn fahren können, ohne dass die Fahrer sie ständig überwachen müssen. Basis dafür ist unter anderem ein genaues, von verschiedenen Sensoren erzeugtes Bild des Fahrzeugumfelds. Bosch setzt hierbei neben seinen Mittel- und Fernbereichs-Radarsensoren auch auf die Stereo-Videokamera und das Know-how aus der Bildverarbeitung.

Die Bildanalyse und das Ermitteln von Ausweichrouten lassen sich aber auch für einen Engstellen-Assistenten nutzen. Besonders in Städten sind Straßen häufig auf beiden Seiten dicht zugeparkt. Hält dann noch ein Lieferwagen in zweiter Reihe, wird es ganz schnell sehr eng. Erneut liefern die Bilder der Stereo-Videokamera die entscheidenden Informationen. Der Rechner wertet sie aus und der Assistent steuert die elektrische Servolenkung so, dass ein kollisionsfreies Durchfahren auch bei nur wenig Platz möglich sein soll.

Notbrems-Assistent verhindert Unfälle per Stereo-Kamera

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