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Neues Erdbebenwarnsystem alarmiert via Internet

06.02.2006 | 17:02 Uhr |

Japanische Wissenschaftler haben ein neues Erdbebenwarnsystem entwickelt, das via Internet gefährdete Personen warnen und bestimmte Sicherheitsmaßnahmen automatisch durchführen soll. Dabei geht es aber um Sekunden.

Japan gehört zu den am meisten durch Erdbeben gefährdeten Regionen der Welt. Das hindert die Tüftlernation aber nicht daran, mit die größten Wolkenkratzer der Welt zu bauen. Unter diesen Umständen ist ein Erdbebenwarnsystem ganz besonders wichtig. Japanischer Wissenschaftler haben jetzt ein neues Warnsystem entwickelt, das einige Sekunden vor den ersten Erdstößen Alarm schlagen soll.

Das von der Japan Meteorological Agency (JMA) koordinierte Projekt soll im Laufe dieses Jahres vollständig in Betrieb genommen werden. Das Warnsystem besteht aus hochempfindlichen Messinstrumenten (200 Sensoren sind über Japan verteilt), die Erschütterungen registrieren, Hochleistungsrechnern zur Verwertung des Datenmaterials und fortgeschrittenen Telekommunikationsnetzwerken.

Erdbeben erzeugen zwei Arten von Wellen: Primär- und Sekundärwellen. Erstere breiten sich rund doppelt so schnell aus wie die Sekundärwellen und sind den Forschern zufolge in der Regel schwächer. Kann man also die Primärwellen schnell genug entdecken und analysieren, so lässt sich nicht nur das Epizentrum des Erdbebens bestimmen, sondern auch die voraussichtliche Stärke der Sekundärwellen. Damit kann man einschätzen, welche Zerstörungskraft die kommenden Erdstöße besitzen.

In diesen wenigen Sekunden Zeit könnten dann über ein zentrales Netzwerk Schutzmaßnahmen ergriffen werden. Beispielsweise könnte man Züge stoppen, Gasleitungen und Fabriken abschalten. Am schwierigsten ist es allerdings, die betroffenen Menschen zu warnen. Zumindest die etwas weiter vom Erdbebenzentrum entfernten Personen könnte die Warnung rechtzeitig erreichen.

Derzeit befindet sich das neue Warnsystem noch in der Erprobungsphase. Es liefert bereits Daten; einige Unternehmen haben zudem bereits Systeme entwickelt, die auf dem Datenmaterial basierend Warnungen für Büros und Häuser aussprechen.

Ein solches System ist beispielsweise kompatibel zu vielen Canon-Druckern. Die Warnsoftware nutzt deren Netzwerkschnittstelle, um im Falle einer Warnung Alarmmeldungen auf den an den Druckern angeschlossenen PCs auszugeben. Ein anderes System gibt die Warnungen nicht nur auf den Rechnern aus, sondern auch auf einigen Displays, die im Büro aufgestellt sind.

Aber alle diese Warnsysteme bleiben natürlich wirkungslos, wenn die Rechner/Drucker nicht eingeschaltet sind, wenn das Netzwerk gestört ist oder wenn sich die Benutzer nicht in den Räumen mit den PCs/Displays aufhalten. Und für Menschen zu Hause bringt das Ganze auch nichts. Wer beispielsweise seinen Rechner abgeschaltete hat und im Bett liegt und schläft, bekommt von der Warnung nichts mit. Wer von dem System auch zu Hause profitieren will, muss also eine aktive Internetverbindung und ein eingeschaltetes Empfangsgerät besitzen. Für diesen Zweck wurde bereits der Prototyp eines Video-Telefons entwickelt.

Der Härtetest des neuen Warnsystems steht noch bevor. Denn seit der Testbetrieb aufgenommen wurde, gab es kein größeres Beben mehr in der Region.

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