51344

Andere arbeiten lassen – und Geld verdienen

05.03.2008 | 10:34 Uhr |

Der Community-Gedanke ist an sich ja recht positiv: Foren etwa könnten ohne Community nicht funktionieren und auch Wissens-Seiten wie Wikipedia sind auf die Mithilfe der Anwender angewiesen. Grenzwertig wird es allerdings, sobald mit der freiwilligen Arbeit anderer neue Geschäftsmodelle entstehen, die Unternehmen Geld einbringen, ohne die Arbeit beziehungsweise die Daten der Endanwender nicht möglich wären. Auf der CeBIT liefert TomTom hierfür ein positives und ein leicht negatives Beispiel.

TomTom hat die Zeichen erkannt und setzt bei der Weiterentwicklung respektive Verbesserung seiner Produkte unter anderem auch auf die Mithilfe seiner Kunden. Beispielsweise bei der im letzten Jahr vorgestellten, neuen Funktion Mapshare. Hierbei können Anwender aktuelle Änderungen am Straßenverlauf, beispielsweise Straßensperrungen, falsche Straßennamen und ähnliches direkt im Navigationssystem korrigieren und dann per PC anderen TomTom-Nutzern zur Verfügung stellen. Der Vorteil für die Anwender: Sie erhalten fast tagesaktuelles Kartenmaterial, ohne einen Pfennig pardon Cent für neue Datensätze zahlen zu müssen und selbst kurzzeitige Änderungen können schnell erfasst werden.

Diesen Community-Gedanken hat TomTom nun mit „IQ Route“ weiter entwickelt. Diese Technik soll den Wissensstand eines einheimischen Fahrers simulieren. Nach dem Motto „Am Sonntag herrscht in der Stadt ein anderer Verkehr, als Montags“, gelten je nach Tageszeit oder Wochentag andere Regeln für die Wahl der besten/schnellsten Route.

So kann ein Weg zwar etwas länger sein, ist aber die kürzere Strecke über die Hauptstraßen erfahrungsgemäß an bestimmten Tagen verstopft, wäre der längere Weg die bessere Wahl, da insgesamt die Fahrzeit kürzer wäre. Genau dies soll IQ Route gewährleisten. Hierfür hat TomTom die durchschnittliche Fahrgeschwindigkeit für Millionen Wegstrecken ausgewertet, die seine Anwender beim täglichen Einsatz ihres Navigationsgerätes zurückgelegt haben. Zwar sind die Daten anonymisiert und die Anwender wurden vor der ersten Aufzeichnung um Erlaubnis gebeten, die Aufzeichnung durchzuführen. IQ Route ist allerdings ein Beispiel dafür, wie die Community an der Verbesserung von Funktionen mithelfen kann und zugleich davon profitiert, denn bislang sieht es so aus, als ob der Dienst nicht kostenpflichtig sein wird.

Anders hingegen sieht es bei HD Traffic aus. Bei diesem Dienst wird ausgewertet, wie schnell sich Handys auf bestimmten Straßen von A nach B bewegen. Je nachdem, wie schnell der Funkzellenwechsel von statten geht, kann dabei relativ genau ausgewertet werden, ob sich der Verkehr auf einer bestimmten Strecke gerade staut, oder ob er flüssig läuft. Das Handy-Datenmaterial stammt von Vodafone. Auch hier werden die Daten anonymisiert ausgewertet, doch auch hier bleibt ein fader Beigeschmack. Denn dieser Dienst ist mit 10 Euro pro Monat kostenpflichtig. Zwar haben die Vodafone-Handybesitzer, die unfreiwillig diesen Dienst ermöglichen keine Kosten zu tragen, doch zeigt dies, an welchen Stellen clevere Unternehmen mit Daten Geld verdienen können, die andere für sie zusammentragen.

Auf der Suche nach neuen Geschäftsmodellen finden mehr und mehr Unternehmen offensichtlich Gefallen am AAL-Prinzip (andere arbeiten lassen). Aus Anwendersicht wäre es jedoch zumindest fair, wenn sie in irgendeiner Art und Weise für ihre Arbeit entlohnt würden – sei es durch verbilligte Monatsabos dieser Dienste, oder einen Preisnachlass auf die Handy-Rechnung.

0 Kommentare zu diesem Artikel
51344