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Neue Regeln für jugendgefährdende E-Books geplant

19.06.2015 | 14:12 Uhr |

Ein Online-Buch-Händler wurde von einer Jugendschutzbehörde verklagt, weil er ein nicht jugendfreies E-Book verkauft hat. Denn das darf er nicht durchgehend machen: Für jugendgefährdende E-Books gibt es eine strikte Verkaufs-Begrenzung. Nun grübeln Rechtsexperten darüber, wie man das Problem praxistauglich lösen kann.

Was viele E-Book-Leser und Online-Händler nicht wissen: jugendgefährdende E-Books, also solche mit gewaltverherrlichenden, rechtsradikalen und pornografischen Inhalten, dürfen nur zwischen 22.00 Uhr und 6.00 Uhr verkauft werden. Weil sie unter das Telemedien-Gesetz und damit in den Bereich des Jugendmedienschutzstaatsvertrags fallen, der Länderhoheit ist.

Die zeitliche Begrenzung des Verkaufs von jugendgefährdenden Telemedien wurde ursprünglich für Kino-Filme geschaffen, die nur zu dieser Zeit in Kinos laufen dürfen, weil um diese Uhrzeit nur Erwachsene ins Kino gehen, wie der Börsenvereinsjustitiar Christian Sprang erklärt. Aber diese Vorschrift gilt nun einmal auch für E-Books.

Das stellt Online-Buchhändler aber vor Probleme, wie das Börsenblatt berichtet. Denn die Bonner Jugendschutzbehörde fand heraus, dass das Buch „Schlauchgelüste“, ein Transgender-Roman mit offensichtlich drastischen sexuellen Beschreibungen , bei einem Online-Händler rund um die Uhr verfügbar war beziehungsweise ist. Und verklagte diesen. Damit stellt sich nun die Frage, wie sich Online-Buchhändler bei jugendgefährdenden E-Books verhalten sollen.

Der Börsenvereinsjustiziar Christian Sprang arbeitet deshalb mit der Jugendschutzbehörde an einem „praktikablen Weg“ für Onlineshops, um den Anforderungen des Jugendschutzes zu genügen, ohne dass die Händler jedes Buch einzeln prüfen müssen. So soll es im Online-Verzeichnis lieferbarer Bücher (VLB) künftig bei E-Books ein Pflichtfeld geben, in dem die Verlage jugendgefährdende E-Books kennzeichnen müssen. Außerdem denkt man darüber nach, auf den Webseiten von Online-Buchhändlern eine eigene Rubrik für jugendgefährdende Bücher zu schaffen. Die man mit einer Jugendschutzsoftware im Browser ausblenden könnte, sofern man diese Software beziehungsweise dieses Browser-Addon installiert.
 

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